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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Die perfekte Nachfolgeregelung

24.02.2018

Hatten /Wardenburg An seinen ersten Auftrag als selbstständiger Unternehmer erinnert sich Torsten Busch aus Hatten (Landkreis Oldenburg) noch genau: Das Telefon klingelte. Ein Kunde aus Friedrichsfehn meldete sich: Aus einer Therme leckte Wasser heraus. Der Handwerksmeister Busch fuhr hin und brachte die Sache in Ordnung. Seit diesem ersten Tag im Herbst 2017 hat er gut zu tun.

Das hat einen Hintergrund: Der Existenzgründer Busch (39) hatte einen bereits gut eingeführten Betrieb für Heizung und Sanitär übernommen – mit dem Kundenstamm. Man kann dies als Idealfall einer Nachfolgeregelung im Handwerk ansehen.

Busch übernahm den Betrieb von Heiko Goesmann. Im Gespräch beim Tee bei Busch in Hatten wirkt der 68-jährige Gas-, Wasser-, Heizungs- und Lüftungsbaumeister entspannt und strahlt aus: Alles ist mit Torsten Busch als Nachfolger gut geregelt.

Dieser Artikel über eine gelungene Nachfolgeregelung im Handwerk ist die gekürzte Version eines Beitrages in der Zeitung „DIE WIRTSCHAFT“ (Ausgabe vom 22. Februar) die alle zwei Monate erscheint. „DIE WIRTSCHAFT“ bietet auf 32 Seiten besten Lesestoff aus den Firmen des Nordwestens. Kauf über:

   

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Der Wardenburger Goesmann hatte die gleiche Sorge wie viele andere Handwerker auch: Wer soll eines Tages meinen Betrieb übernehmen? Sein Sohn entwickelte eigene Pläne – und ist heute Berufsschullehrer. So kam bald nur ein Verkauf infrage.

Genau dieses Thema treibt sehr viele Handwerker um. „Allgemein sprechen wir davon, dass bis 2020 voraussichtlich rund 180 000 Handwerksbetriebe ihre Nachfolge werden regeln müssen“, berichtet Referatsleiter Frank Zopp vom Zentralverband des Deutschen Handwerks in Berlin. Chancen böten sich so auch für alle, die sich selbstständig machen möchten.

Die entscheidende Entwicklung für Goesmann kam im Juni 2017 mit einem Anruf bei der Handwerkskammer Oldenburg in Gang. Die hat Spezialisten für das Thema Betriebsnachfolge: „Wir drei betriebswirtschaftlichen Berater hier haben 2017 insgesamt rund 130 Nachfolgeberatungen für Mitgliedsbetriebe durchgeführt“, erläutert einer von ihnen, Joachim Hagedorn. Es geht um den ganzen Prozess, einschließlich Preisfindung und Start-Hilfe.

Die kurzfristige Antwort aus der Kammerzentrale sei „sofort interessant“ gewesen, erzählt Goesmann. Das war im Sommer 2017. Dann ging es ganz schnell: An einem Freitag gab es ersten Telefonkontakt, schon am Sonnabend traf er den gründungswilligen Torsten Busch – und am Montag war die Sache perfekt, im Grundsatz zumindest.

Ein Hauptgrund dürfte darin liegen, dass zwischen Goesmann und seinem potenziellen Nachfolger die Chemie stimmte – kaum ein Aspekt ist für die Handwerker wichtiger, wie auch Experten bestätigen.

Klar, um eine saubere Bilanz, die Bestandsaufnahme allen Inventars – inklusive Teilelager und Fahrzeug – und schließlich die Ermittlung eines fairen Preises führte kein Weg herum. Auch dabei halfen die Experten der Handwerkskammer. Am 1. September konnte der junge Meister Thorsten Busch 2017 mit seinem Betrieb starten.

Wie kam er so weit? Busch war in Sandkrug zur Schule gegangen und hatte eine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur gemacht. Er ging zur Bundeswehr und stieg dann bei seinem ehemaligen Meister mit ein, der sich selbstständig gemacht hatte. Busch bildete sich weiter, machte in seiner Freizeit seinen Technischen Fachwirt und dann den Meister. Nach weiteren Jahren Betriebserfahrung stand für den jungen Mann fest: Er wollte selbst Unternehmer werden. „Ich hatte mir schon lange Gedanken darüber gemacht“, erzählt Busch. Seine Frau Nina (33), eine Maschinenbauingenieurin, nickt. Sie trägt das mit.

Aber wie kommt man als junger Handwerker an einen eigenen Betrieb? Selbst einen aufbauen, über viele Jahre hinweg? Oder einen schon eingeführten Betrieb übernehmen? Busch wurde bei der Handwerkskammer in Oldenburg vorstellig, man sprach die Sache durch. „Moment“, sagte der Berater sinngemäß, „da haben wir doch etwas.“ Tatsächlich lagen Kurzbeschreibungen von gleich zwei Sanitär- und Heizungsbaubetrieben aus der Umgebung auf dem Tisch. Deren Eigentümer suchten einen Nachfolger – in Oldenburg und in Wardenburg. Und so trafen sich die Wege des Gründungswilligen, Torsten Busch, und des angehenden Rentners, Heiko Goesmann.

Die Betriebsberatung der Kammer half auch beim Businessplan und der Teilfinanzierung durch ein Darlehen. Busch nutzte auch Gründermittel („Mikro-Starter“) über die N-Bank des Landes. „Einen Teil der erforderlichen Mittel hatten wir auch schon“, sagt der Familienvater.

Und nun läuft der Betrieb schon fast ein halbes Jahr unter neuer Regie. Die übernommene Kundenkartei mit 550 Haushalten ist eine solide Basis. „Das lief fast von allein“, freut sich Busch über den Start in die neue Phase.

Torsten Busch und seine Frau Nina entwickelten dann „ihr Modell“, einschließlich der drei Kinder (eins, drei und sechs Jahre), wie es gehen kann: mit Teilzeitarbeit, Hilfe der Eltern, Betrieb am Wohnsitz. Und der Papa fährt die Kinder schon mal zur Kita, bevor es morgens zum ersten Kunden geht. Irgendwie bekommt diese Familie das hin, die Arbeit auch jenseits von „acht bis 16 Uhr“ und auch an Wochenenden, auch mit Notfalleinsätzen. Dann abends die Büroarbeit mit den Rechnungen. „Wichtig ist, dass man das wirklich will. Und die Familie muss das mittragen“, sagt Meister Busch zu der Übernahme des Betriebs.

Heiko Goesmann aber kann sich beim Tee entspannt zurücklehnen: „Ich bin jetzt im Ruhestand.“

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
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