Elsfleth - Seit Jahrhunderten begleiten Hebammen Frauen in der Schwangerschaft, stehen ihnen bei der Geburt zur Seite und helfen ihnen in den ersten Wochen nach der Entbindung.
Trotz ihrer hohen Verantwortung wurden Hebammen stets unangemessen bezahlt – und es kommt noch schlimmer. Jetzt können viele von ihnen von ihrer Arbeit nicht mehr leben. Sie fürchten um ihre Existenz und ein Aussterben ihres Berufes „auf Raten“. Grund ist der Anstieg der Haftpflichtprämien, die seit 2013 bei 4480 Euro liegen. Zum Vergleich: im Jahr 1981 lag die Versicherungsprämie bei 30,68 Euro.
Sieben Hebammen
Über die aktuelle Situation diskutierten jetzt im Elsflether Café Heeren sieben Hebammen, die alle – angestellt oder freiberuflich – in der Wesermarsch tätig sind. Laut Gesetz sind sie verpflichtet, ihre Tätigkeit durch eine Berufshaftpflichtversicherung abzusichern. Obwohl in der Geburtshilfe die Schadensfälle leicht rückläufig sind, steigen die Kosten im einzelnen Schadensfall an. Dieser Anstieg ist der Grund, weshalb die Prämien für alle in der Geburtshilfe tätigen Hebammen und Gynäkologen enorm in die Höhe geschnellt sind. So haben seit 2010 15 bis 20 Prozent der Hebammen in Deutschland ihre Tätigkeit eingestellt. Boten 2010 noch 25 Prozent der freiberuflichen Hebammen ihre Dienste an, waren es 2012 nur noch 21 Prozent. Laut Statistik liegt der Durchschnitts-Stundenlohn einer freiberuflichen Hebamme derzeit bei 8,50 Euro.
„Eine Geburt sollte immer optimiert ablaufen“, sagen die Hebammen Petra Nafzger und Irmhilde Fuhrmann, „das heißt auch, dass eine Frau oder ein Paar selber entscheidet, wo entbunden wird. Diese Wahlfreiheit ist nicht mehr gegeben, wenn es keine freiberuflichen Hebammen mehr gibt. Das ist für alle keine gute Situation.“ Darüber hinaus sind Hebammen zur „Qualitätssicherung“ verpflichtet und nehmen alle zwei Jahre an Fortbildungen teil – auf eigene Kosten.
Auf die Barrikaden
Auf die Barrikaden gehen die Hebammen nicht erst seit kürzester Zeit. „Wir kämpften schon für unseren Beruf, als Ulla Schmidt noch Gesundheitsministerin war“, betont die Gruppe, „im Gegensatz zu großen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden haben wir in der Politik leider keine Lobby.“
Mehr Unterstützung wünschen sich die Hebammen auch von den Frauen, egal ob schwanger oder nicht. „Wir sind im Ganzen gesehen nur eine kleine Gruppe, die nicht einfach sagen kann, heute bleibt der Kreißsaal geschlossen, weil wir streiken.“
Jetzt hat sich eine Gruppe von Versicherern auf Druck der Politik großzügig bereit erklärt, die Hebammen bis Mitte 2016 abzusichern. Nach Information des Deutschen Hebammenverbandes würden damit auch die Prämien steigen: auf über 6000 Euro jährlich.
