Aurich/Hannover - Zwischen Deutschlands Windkraftanlagen-Primus Enercon und der bundesweit größten Einzelgewerkschaft IG Metall bahnt sich ein handfester Konflikt an. Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig wollte die am Donnerstag erhobenen IG-Metall-Vorwürfe nicht erörtern, wonach der Branchenpionier mit einem gewerkschaftsfeindlichen Klima Betriebsräte vereitele. Kettwig sagte der Nachrichtenagentur dpa auf der Hannover Messe jedoch: „Wir stellen fest, dass wir seit 1998 Betriebsräte in vielen Firmen haben, die aber unabhängig organisiert sind. Und von diesem Weg lassen wir uns auch nicht abbringen.“
Die IG Metall hatte zuvor bei einer Pressekonferenz in Aurich, dem Enercon-Stammsitz, schwere Vorwürfe gegen den Branchenprimus erhoben, der nach eigenen Angaben hierzulande 50 Prozent Marktanteil besitzt und global gesehen die Nummer drei ist. Gewerkschaftschef Detlef Wetzel war eigens nach Ostfriesland gereist und berichtete, er sei „hochgradig alarmiert“ über neue Einschüchterungsvorwürfe beim Enercon-Betrieb GOZ, dem Guss Zentrum Ostfriesland / Georgsfehn.
Die IG Metall wolle es sich nicht gefallen lassen, wenn dort Einfluss genommen werde auf Betriebsratswahlen. Es geht um Vorwürfe, wonach Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld entfallen, wenn der Unternehmensführung genehme Kandidaten nicht gewählt werden.
Wetzel kündigte an, er habe noch am Abend einen Telefontermin mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). „Das wird auch eine Debatte im politischen Raum bedeuten“, sagt der Lenker der mächtigen IG Metall. Enercon profitiere stark von der Ökostromförderung aus dem Gesetz EEG, die jeder Verbraucher über seine Stromrechnung abdrückt. Das verpflichte zu vorbildlichem Verhalten. „Wer will denn dauerhaft Produkte von einem Unternehmen kaufen, das hoch subventioniert wird, direkt und indirekt, und man gleichzeitig feststellen muss, dass die Beschäftigten in diesen Firmen schlecht behandelt werden?“
Zur Idee, Mitbestimmung auch mit externer Hilfe von Gewerkschaften zu gestalten, sagte Kettwig: „Wir finden, das ist der falsche Weg. Wir sind für eine interne Kultur und dass wir sagen: „Die Leute sind intelligent genug heute.“ Und wir haben dabei auch das positive Echo von vielen Leuten.“ Teils bedränge die IG Metall Mitarbeiter, etwa mit Anrufen zu Hause. Der Unmut darüber in der Belegschaft wachse.
Kettwig meinte, es gehe der IG Metall offensichtlich um das Werben neuer, zahlender Mitglieder. Anstatt immer wieder mit Aktionen für konstante Mitgliedsbeiträge zu sorgen, sollten sich Gewerkschaften seiner Ansicht nach lieber um neue Geschäftsmodelle bemühen.
Enercon gilt als verschlossenes Unternehmen. Am Donnerstag auf der Industriemesse in Hannover zeigte Kettwig Zahlen zu jüngsten Trends des Unternehmens. Dort, wo es interessant geworden wäre, fehlten auf Kettwigs Folien die Zahlen zu den Diagrammen und Schaubildern.
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