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Billigflieger Heftiger Preiskrieg am Himmel

Christian Ebner

Frankfurt/Main - Ryanair-Chef Michael O’Leary ist angesichts seines Rekordgewinns von 1,24 Milliarden Euro zu alter Form aufgelaufen: Den deutschen Konkurrenten Air Berlin und der Lufthansa-Tochter Eurowings sagt der 55 Jahre alte Ire im „Zeit“- Interview ein schnelles Ende innerhalb der nächsten Jahre voraus. „Ich hoffe auf einen Preiskrieg“, sagt der umtriebige Chef des größten europäischen Billigfliegers, der mit vielen neuen Flugzeugen einen weiteren schnellen Ausbau seines Netzes plant.

O’Leary angriffslustig

Auf dem deutschen Markt ist für die Angreifer noch besonders viel zu holen, wie auch aus Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervorgeht. Ryanair und Easyjet sind in Europa mit weitem Abstand die größten Anbieter, während sie in Deutschland noch den Platzhirschen hinterherfliegen. Mangelnde Angriffslust kann man O’Leary aber nicht vorwerfen. Die „Beamtenrennstrecke“ Köln-Berlin ist die erste innerdeutsche Verbindung im Ryanair-Flugplan, schon zuvor regelmäßig bedient von Air Berlin und Eurowings. In den nächsten Monaten kommen bei Ryanair Dutzende neue Europa-Verbindungen von Berlin, Hamburg und Nürnberg dazu – größere Flughäfen mit einem relevanten Kundenpotenzial.

Die Gelegenheit zum Angriff auf dem größten europäischen Einzelmarkt scheint O’Leary günstig: „Was sich in den vergangenen zwei Jahren Grundlegendes verändert hat, ist die Implosion von Air Berlin. Sie bewirkt, dass die meisten deutschen Flughäfen uns Rabatte dafür anbieten, dass wir sie nutzen.“ Ryanair startet längst nicht mehr ausschließlich von abgelegenen Militärpisten und macht nur noch um die Lufthansa-Drehkreuze München und Frankfurt wegen ihrer hohen Flughafengebühren einen Bogen. Allein in diesem Jahr stellen die Iren 52 neue Jets in den Dienst und verfügen dann über 380 Flieger. Flughäfen wie Köln-Bonn und Berlin-Schönefeld haben laut DLR schon im vergangenen Jahr einen Boom zusätzlicher Ryanair-Flieger erlebt.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin indes hat auch unter ihrem Chef Stefan Pichler die Kosten bislang nicht unter Kontrolle gebracht und das Jahr 2015 mit dem Rekordverlust von knapp 447 Millionen Euro abgeschlossen. Ohne die Finanzspritzen ihres arabischen Großaktionärs Etihad wäre die Gesellschaft längst abgestürzt. „Es ist unser Ziel, Air Berlin als Marke künftig stärker im Premiumbereich zu verankern“, sagt Pichler und streicht kleinere Verbindungen, die Ryanair dankend übernehmen und zu niedrigeren Stückkosten betreiben kann.

Späte Reaktion

Der Lufthansa-Konzern hat spät auf die Billigflieger reagiert und will mit der neu organisierten Zweitmarke Eurowings gegenhalten. Mit einer kompletten Integration der bisherigen Minderheitenbeteiligung Brussels Airlines könnte die Eurowings-Flotte schnell erweitert und der Auftritt im Benelux-Markt gestärkt werden.


Die zunehmenden Angriffe von „Low-Cost“-Gesellschaften auf die Lufthansa-Drehkreuze kann Chef Carsten Spohr auf Dauer nicht unbeantwortet lassen. In München hat sich bereits die Air-France-Billigtochter Transavia mit vier Maschinen etabliert und will im ersten Jahr schon eine Million Passagiere transportieren. Prompt kündigte Lufthansa an, nunmehr auch Eurowings-Jets von München aus starten lassen zu wollen.

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