Heide - Eigentlich sollten ja nur Argumente gesammelt werden an diesem Abend – am Ende der Bürgerversammlung zum Bebauungsplan „südlich Heuweg“ ließ Hinnerk Twietmeyer, Vorsitzender des Bürgervereins Heide-Schönemoor, aber doch noch abstimmen. Das Ergebnis fiel wie erwartet eindeutig aus: Von den mehr als 80 Heidern, die am Donnerstagabend im Gartenpavillon des Gasthofes Menkens in Hoykenkamp zusammensaßen, stimmten nur zwei dafür, dass die knapp einen Hektar große Fläche zwischen Heuweg und Heider See bebaut werden sollte.
Ergebnis mit Wirkung?
Ein klares Signal also gegen die Pläne der Gemeinde Ganderkesee, die das Grundstück kaufen und für – auch sozialen – Wohnungsbau erschließen möchte. Ob die Heider damit Wirkung erzielen, muss sich zeigen. Schon in der Einwohnerfragestunde des Ausschusses für Gemeindeentwicklung Ende April hatten Twietmeyer und andere Anlieger ihren Protest geäußert.
Die Politiker beschlossen trotzdem mit großer Mehrheit die Aufstellung des Bebauungsplans – unter dem Vorbehalt des Grunderwerbs. SPD-Ratsherr Heinz-Peter Häger, der als Zuhörer an der Bürgerversammlung teilnahm, sagte am Donnerstag aber: „Wenn der Widerstand zu groß ist, werden wir dort keine Bebauung ermöglichen.“ Den Kauf strebe die Gemeinde dennoch an, so Häger, auch weil solche Grundstücke als Ausgleichsflächen für Eingriffe in die Natur an anderen Stellen dienen könnten. Im Übrigen, so der Ratsherr, wirke baureifes Land in kommunalem Besitz auf dem Grundstücksmarkt preisregulierend.
„Infrastruktur fehlt“
Misstrauen und Ablehnung unter den Anliegern konnte Häger indes nicht entkräften. Vor allem mit Hinweisen auf die fehlende Infrastruktur begründeten mehrere Anwesende ihren Standpunkt, dass ein neues Baugebiet in Heide eines zuviel sei. Grundschule und Kindergärten seien schon jetzt an ihren Belastungsgrenzen, und verkehrlich sei der Ort schlecht angebunden. „Die Schulbusse nach Ganderkesee sind immer randvoll“, hieß es ebenso. Bevor weitere Flächen in Heide zur Bebauung freigegeben werden, müsse ein Ortsentwicklungskonzept erstellt werden, lautete eine weitere Forderung.
Sorge um Bäume
Die Anlieger an der Straße Heider See, deren Grundstücke direkt an das Plangebiet grenzen, befürchten zudem mögliche Konflikte mit künftigen Nachbarn um Schattenwurf oder Herbstlaub von ihren Bäumen. „Auch die Allee darf nicht angetastet werden“, sagte Jörg Noster, einer der Sprecher für die Nachbarschaft, mit Blick auf den Baumbestand beiderseits des Heuweges. Folgen hätte eine Bebauung aus Sicht der Anlieger zudem für ihre Keller: „Die laufen bei Hochwasser im Moorgraben jetzt schon immer voll“, so Noster, „wenn nun die Versiegelung eines weiteren Hektars hinzukommt, bringt uns das noch mehr Wasser!“
Auch die Ankündigung der Gemeinde, in dem geplanten Baugebiet geförderte Wohnungen zu errichten, hatte die Anlieger alarmiert: Von einem „Dorf im Dorf“ war die Rede und von der Sorge, dass überwiegend „Asylbewerber“ dort angesiedelt werden könnten. Am Donnerstag wurde zurückhaltender formuliert: „Menschen, die Unterstützung brauchen“, seien in einem „reinen Wohnort“ wie Heide nicht gut aufgehoben, lautete eine Wortmeldung, sie müssten dort untergebracht werden, wo sie schnell ihre Ansprechpartner in Behörden erreichen. „Warum werden an der Köhlerwiese in Ganderkesee keine Sozialwohnungen gebaut“, fragte Jörg Noster.
Wer zahlt für Heuweg?
Schließlich ging es noch um den Zustand des Heuweges, derzeit eine recht schmale und teilweise unebene Pflasterstraße. „Der muss dann ausgebaut werden und wir haben 90 Prozent der Kosten zu tragen“, warnte ein Anlieger.
Viele Fragen offen
Das wäre allerdings nur dann der Fall, wenn es am Heuweg um einen Erstausbau ginge. Bei einer Sanierung indes würden die Anlieger nach der Abschaffung der entsprechenden Beitragssatzung nicht mehr zur Kasse gebeten. „Die Frage der Beitragsfähigkeit ist noch nicht geklärt“, räumte Peter Meyer, Fachbereichsleiter Gemeindeentwicklung im Rathaus, am Freitag auf Nachfrage der NWZ ein. Ohnehin seien beim Bebauungsplan „südlich Heuweg“ noch viele Aspekte unklar. Zum Beispiel der Anteil des geförderten Wohnungsbaus: Gegenüber Anlieger Jörg Noster hatte Meyer von „zehn bis 15 Prozent“ gesprochen. Bei maximal 15 Grundstücken, von denen bislang die Rede war, würden nach dieser Rechnung also nur zwei für den sozialen Wohnungsbau bleiben. Für eine genaue Aussage jedoch, so Meyer, sei es noch viel zu früh. Zumal das Grundstück noch gar nicht im Besitz der Gemeinde ist.
