HEIDE - Herbert Kämena klärte über Fleischherkunft und Wurstproduktion auf. Der Unternehmer hat viel investiert.
von markus minten
HEIDE - Für Karl-Heinz Funke war es nicht der erste Besuch in Heide. Es müsse neun, zehn Jahre her sein, dass der SPD-Politiker schon einmal „Müllers Wurst-Diele“ besichtigt hat, erinnern sich die Inhaber Sabine und Hergen Kämena. Und auch der frühere Bundeslandwirtschaftsminister hat den Besuch nach eigenem Bekunden noch in guter Erinnerung.Dass sich in der Zwischenzeit aber einiges in dem Familienbetrieb getan hat, erfuhr Funke, der SPD-Bürgermeisterkandidat Rainer Lange im Wahlkampf unterstützte, vom Firmenchef. „Drei große Bauabschnitte waren nötig, um den heutigen Stand zu erreichen“, so Kämena, ein vierter sei fast fertig. So wurden nahezu alle Maschinen erneuert, eine Hygieneschleuse eingerichtet, eine neue Reinigungsanlage eingebaut, Waagen angeschafft, die auf Wunsch auch Rezepte zum Fleisch ausdrucken sowie eine Photovoltaikanlage installiert. Kurz: die gesamte Produktion wurde für rund 200 000 Euro auf den neuesten Stand gebracht. Dabei seien in den vergangenen zwei Jahren 5000 Meter Kabel verlegt worden. Und doch habe er sein Ziel, in der Produktion keine Steckdose und keinen Lichtschalter („Das sind Quellen für Keime“) mehr zu haben, nicht ganz erreicht.
Neben verbesserter Hygiene diene die neue Technik aber auch dazu, Kosten zu senken: Bei einem jährlichen Verbrauch von 30 000 m3 Gas, 3000 m3 Wasser und 25 000 KWh Strom lohnende Investitionen. Mit 70 Mitarbeitern (acht Auszubildende) setzt „Müllers Wurst-Diele“ in zehn Filialen rund fünf Millionen Euro im Jahr um. Woche für Woche werden 90 bis 100 Schweine und fünf bis sechs Rinder zerlegt. „Wir schlachten dreimal die Woche und zerlegen viermal, damit wir jeden Tag frische Ware anbieten können.“ Und frisch bedeute nicht gefroren. „Ich will nicht einfrieren“, so Kämena. Und deshalb entfallen von den 1000 Quadratmetern Betriebsgröße in Heide rund 220 auf Kühlräume, aber gerade einmal zwölf auf einen Gefrierraum. Das Fleisch kommt vom zur Familie gehörenden Gut Nutzhorn, müsse teilweise aber auch zugekauft werden, erläutert Kämena. „Wir können nicht alle Spezialitäten selber herstellen.“
Und damit war Kämena bei einem weiteren Anliegen: Angesichts immer neuer Skandale in der Lebensmittelbranche lag es dem Fleischermeister am Herzen, die Politiker über Herkunft des Fleisches und Rückverfolgbarkeit zu informieren. So nehme der Betrieb freiwillig an einem Projekt teil, das zum Ziel habe, dem Kunden die Rückverfolgung des Fleisches über das Internet zu ermöglichen.
