Ahlhorn - Bei Heidemark (Ahlhorn/Kreis Oldenburg), dem wohl größten Putenspezialisten Europas, wurden erste Schritte für einen Generationswechsel eingeleitet. Firmenchef Bernd Kalvelage übertrug die Mehrheit der Gesellschafts-Anteile auf seinen 27 Jahre alten Sohn Christopher (76 Prozent). Sein jüngerer Bruder Jan Bernd hält 24 Prozent. Damit rückt die dritte Generation der Eigentümerfamilie aus Höltinghausen auf, erläuterte die Unternehmensleitung in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Bernd Kalvelage (59) bleibt aber noch einige Jahre in der Geschäftsführung und werde die Geschicke weiter maßgeblich mitbestimmen, hieß es.
Er freue sich auf interessante künftige Aufgaben, sagte der neue Mehrheitseigentümer Christopher Kalvelage in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Der einstige Cloppenburger Abiturient ist in Hamburg noch im Masterstudium Betriebswirtschaftslehre. Schon seit Jahren ist er aber aktiv in verschiedenste Projekte im Unternehmen eingebunden, zuletzt besonders intensiv.
Umsatz stark gestiegen
Er selbst habe das Unternehmen vor 29 Jahren von seinem Vater, dem Gründer, übernommen, erzählt der heutige Senior Bernd Kalvelage. „Der Zeitpunkt war günstig. Putenfleisch erlebte einen starken Aufschwung.“ Seither sei der Umsatz von 20 Millionen Euro auf heute 700 Millionen Euro gestiegen. Heidemark ließ viele in- und ausländische Konkurrenten hinter sich.
Aktuell, quasi parallel zum eingeleiteten Generationswechsel, liegt nach dem teils stürmischen Wachstum aktuell eine weitere Neuordnung an: Strukturen kommen auf den Prüfstand. „Ziel ist es, Heidemark auf Effizienz zu trimmen und die Betriebseinheiten neu zuzuschneiden“, erläuterte Bernd Kalvelage. Der Marktführer will quasi auch Kostenführer werden.
Für das Optimierungsprogramm wurde bereits vor gut einem Jahr Wilhelm Friesdorf als Interimsgeschäftsführer in die Geschäftsführung aufgenommen. Der von dem Beratungsunternehmen MCP gekommene Experte verantwortet zentrale Dienste bei Heidemark, darunter das Controlling.
Das Optimierungsprogramm gilt als große Aufgabe mit besonders vielen Stellschrauben, denn Heidemark ist ein riesiger Konzern geworden. Man ist vertikal inte-griert. Die Wertschöpfungskette im Haus umfasst quasi alle wesentlichen Bereiche: von eigenen Elterntierfarmen über Brüterei, Einkaufsgemeinschaft, Mastfarmen, Veterinäre, Lebendtierlogistik, Schlachtung und Zerlegung, Verarbeitung und Veredelung bis hin zu Logistik und Vertrieb der Puten-Produkte.
Als Maßnahmen, die bereits eingeleitet wurden, nennt das Fachblatt „Lebensmittel-Zeitung“ (Neuss) die Neustrukturierung des Mastbereiches, die Optimierung des Sortiments und die Anpassung von Führungssystemen. Zudem wurde schon 2015 das Mischfutterwerk in Höltinghausen an Agravis verkauft.
Das Optimierungsprogramm bedeute nicht Arbeitsplatzabbau – „im Gegenteil“, betonte Wilhelm Friesdorf. Der Heidemark-Hauptstandort in Ahlhorn werde sogar gestärkt.
Als eine der jüngeren Maßnahmen wurde hier die Frischfleischproduktion konzentriert. In dem riesigen Werk in Ahlhorn, unweit der Autobahn A1, arbeiten rund 1300 der etwa 2000 Mitarbeiter des Unternehmens. In Ahlhorn werden 260.000 Tonnen Putenprodukte pro Jahr hergestellt, aus 14,7 Millionen Tieren. Insgesamt dürfte der Anteil von Heidemark an der Putenverarbeitung in Deutschland bei gut 45 Prozent liegen, die Produkte finden sich unter verschiedensten Marken bei fast allen Handelsgruppen.
Mehr Export erwartet
Nach starkem Wachstum hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch bei etwa 5,9 Kilogramm pro Jahr eingependelt, sagt Marketingchef Albert Focke. Man werde weiter davon profitieren, eiweißreich, aber zugleich kalorien- und fettarm zu sein.
Wichtiger dürfte für Heidemark angesichts des bereits hohen Marktanteils im Inland der Export werden, erwartet Friesdorf. Der Anteil liegt zurzeit bei etwa 23 Prozent. Auch das könnte also irgendwann ein Thema für die nächste Generation sein. Es sei schon ein „Vorteil, ein Familienunternehmen zu sein und den Generationswechsel so hinzubekommen, also einen Nachfolger in der Familie zu haben“, sagt Focke. Der Übergang sei „gut organisiert“.
Christopher Kalvelage, der neue Mehrheitsgesellschafter, dürfte etwa Mitte 2017 mit dem Studium fertig sein. Seine Schwester Sarah (24) ist laut Lebensmittel-Zeitung Mitgesellschafterin bei der PK-Holding, zu der indirekt der von Heidemark abgespaltene Betrieb in Garrel (Kreis Cloppenburg) gehört. Dort werden diverse Convenience-Produkte hergestellt.
