Hannover - Deutsche Reeder schlagen Alarm: Die internationale Billigkonkurrenz und enormer Kostendruck machen der Branche schwer zu schaffen. „Eine sehr schwierige Zeit“, beschreibt Christof Schwaner vom Verband Deutscher Reeder (VDR) die Lage. „Dramatisch“ nennt sie Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, Sande) im Interview mit der NWZ . Im Jahr 2008 seien „noch 645 Schiffe unter deutscher Flagge gefahren, und 2014 waren es nur noch 368 Schiffe“, so Lies, der eindringlich warnt: „Wir verlieren den ganzen Wirtschaftszweig, wenn wir nichts machen.“ Damit würden auch gravierende Folgen für den nautischen Nachwuchs und die Ausbildung einhergehen.
Ein Brandbrief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geht demnächst raus – auch im Namen aller norddeutschen Küstenländer. Einhelliger Tenor: Entlastung der Reeder durch einen 100-prozentigen Einbehalt der Lohnsteuer und bei den Sozialabgaben.
VDR-Experte Schwaner rechnet den Wettbewerbsnachteil für deutsche Reeder an einem Beispiel hoch: „Größere Schiffe unter deutscher Flagge haben pro Jahr 500 000 Euro höhere Kosten durch Lohnsteuer und Sozialabgaben als die ausländische Konkurrenz.“
Wirtschaftsminister Lies setzt auf ein Einlenken von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). „Wenn wir die maritime und nautische Kompetenz in Deutschland erhalten und das Ruder herumreißen wollen, müssen wir deutlich mehr tun als bisher“, mahnt Lies. Von der maritimen Branche würden allein in Niedersachsen 20 000 Jobs abhängen.
