Betrifft:
„Stadt will am Schloss abholzen“ (NWZ vom 12. Oktober)Wenn Herr Pantel als Begründung zur geplanten Abholzung den Wunsch der Anlieger auf „eine bessere Wahrnehmbarkeit der Ladenzeile“ angibt, muss diesen Geschäftsleuten klar gesagt werden: Die Bäume haben mit der Wahrnehmbarkeit Ihrer Läden nichts, aber auch gar nichts, zu tun.Erstens stehen diese nicht in Augenhöhe und verdecken somit zumindest die Schaufenster nicht. Viel wichtiger ist aber, dass "Wahrnehmbarkeit" eine sehr subjektive Angelegenheit ist. Hier geht es um emotionale Barrieren, und die bilden nicht die Bäume, nein, die Mauer aus parkenden Autos wird wie eine Wand empfunden und stellt eine viel größere Hürde zum Wahrnehmen der Läden dar. Die Bäume hingegen geben rein gestalterisch der gesamten Ansicht des Platzes, als auch der Ladenzeile eine dynamischere Ausrichtung.
Schon im Kunstunterricht wurde uns im Kurs Fotographie und Bildbetrachtung etwas über den goldenen Schnitt beigebracht, dazu braucht es Blickpunkte, welche oberhalb der durchgehenden Dachzeile der Ladenlokale liegen, um Bilddiagonalen entstehen zu lassen, das geht nur mit den Bäumen.
Die Anlieger schneiden sich hier ins eigene Fleisch, wenn sie ein Abholzen der Bäume wünschen. Meine Bitte deshalb, gehen Sie in die ansässige Buchhandlung und lesen sie sich schlau zum Thema „Wahrnehmung und Bildbetrachtung“. Lassen Sie die Bäume erst einmal stehen, die laufen ihnen ja nicht weg, während sie sich lesend fortbilden.
Ulrich KesseOldenburg * Der Schlossplatz wird nicht abgeholzt, sondern es werden kranke bzw. giftige Bäume entfernt.Seit 30 Jahren versuchen wir Anlieger am Schlossplatz, eine Anbindung zum Platz als solchen sowie dem Schloss und jetzt auch zum ECE-Center zu erreichen, um hierdurch eine schöne Gestaltung die Platzsituation zu erhalten. Die vorhandenen Bäume und Grünanlagen wurden seit Jahren nicht gepflegt, insbesondere die Eiben sperren die Sichtachse zwischen Center, Schloss und der schönen historischen alten Häuserzeile.
Da nun ja der Platz neu gestaltet werden soll, wäre jetzt die Möglichkeit, eine Einheit zu schaffen. Die von Ihnen benannten Eiben – „besonders wertvolle Gehölze“ – insbesondere am Verwaltungsgericht, dienen nur als Hunde-und Menschenklo (...), was für unsere Kunden und unsere jungen Mitarbeiterinnen kein erbaulicher Anblick ist (als Alternative bieten wir Klopapierrollen an den Ästen an). Alle Teile der Eibe enthalten das sehr giftige Taxin. Dieses Gift kann den Herzschlag eines Tieres unvorhersehbar stoppen, dass es plötzlich tot zusammenbricht.
Neues kann Altes ersetzen, der Schlossplatz wird dadurch für jeden Oldenburger Bürger nur schöner und durchlässiger.
Carola FesterOldenburg*
* Während am Schlossplatz eine Argumentation mit besseren Blickbeziehungen von Stein zu Stein eher einer Stadtplanerlyrik zuzuordnen ist, fährt die Stadt Oldenburg mit dem Abholzen städtischen Baumbestandes aber doch auf dem Kurs der Übermorgenstadt.In der Berichterstattung der NWZ vom 28.02.08 heißt es dazu unter der Überschrift: „16 Leitprojekte pflastern den breiten Weg – mit dem Ziel zu einer neuen Urbanität". Ausführungen zur Natur fehlen, Natur oder Bäume sind schlichtweg überhaupt nicht vorgesehen und gehören wohl nicht in die urbane Übermorgenstadt Oldenburg. Noch nicht verraten wurde, ob es übermorgen in der Stadt der Wissenschaft Autos gibt, die CO2 verbrauchen und Sauerstoff produzieren, dann kann ja auch auf die Photosynthese der Bäume verzichtet werden. Mit dem Konzept des breiten, gepflasterten Weges nach Übermorgen sind ja z.B. auch an der Staulinie mehrere Bäume gefällt worden, und das El Dorado für Flaneure (deutsch: Pflastertreter) hat bald die ganze Innenstadt umzingelt.
Leider ist der Weg von der gemütlichen Stadt im Grünen zur urbanen Stadt im Beton eine vom Rat der Stadt Oldenburg abgesegnete Sache. Für eine Änderung ist es aber nicht zu spät, und die noch vorhandene beruhigende Wirkung von grünem Blattwerk sollte schnell genutzt werden.
Manfred MurdfieldOldenburg *Über so ein pflegeleichtes Grau in Grau wie in vielen anderen Städten auch, freut sich doch das Stadtreinigungsamt. Braucht es doch bald auch keine Leute mehr, die den dröhnenden Laubpuster oder Sauger bedienen können. Und der Anwohner freut sich über die entstandene Ruhe. Oldenburg „schön grün“ oder „hellgrau“ wie am Lappan, ZOB oder vor dem H.-J. Museum?
Peter Look
Oldenburg*
Wird der Stadtrat, allen voran Herr Pantel, erst Ruhe geben „wenn der letzte Baum gefällt ist“? Das Loblied auf die lebens- und liebenswerte Stadt, das von vielen Leuten so gerne gesungen wird, verhallt sicherlich erst dann, wenn wir merken werden, dass man Geld nicht essen kann! Im Übrigen verweise ich auf den kürzlich erschienenen Aufruf des NABU, Bäume gegen den Klimawandel zu pflanzen.Christel JanshenOldenburg * Wie die NWZ berichtete, plant die „Stadt” (wer ist das), am Schlossplatz vier Bäume zu fällen, „um die Anbindung der Geschäfte dort an dem Schlossplatz zu verbessern”.Klar! Ein letzter „Schildbürgerstreich” von Herrn Pantel, bevor er 2010 Oldenburg verlässt. Höre ich da etwa jemanden weinen?
Die „vier gefällten Bäume” machen sicherlich nur den Anfang für eine gute Auf- und Abfahrt zu einem Parkhaus auf dem Schlossplatz frei. Ideal! Anfahrt vom Paradewall (Damm und Schlosswall eingeschlossen, da kleiner „Kreisel” Huntestraße/Paradewall) und die Abfahrt über Schloßstraße/Kasinoplatz. Zufahrt vom Paradewall bis zur Auffahrt Parkhaus Einbahnstraße und Abfahrt vom Parkhaus über Kasinoplatz ebenfalls Einbahnstraße. Von dort kann man dann in drei Richtungen Oldenburg wieder verlassen. In der Tat ist dann eine „Anbindung der Geschäfte” gegeben, aber zu welchen? Direkt in das ECE?
Unsere liebe Schloßstraße geht durch die Autoabgase „vor die Hunde”, hat vermutlich aber keine Käufer mehr, da die Ausgänge des Parkhauses sicherlich auf das ECE ausgerichtet sein dürften. Wer so unverfroren ist, eine Zufahrt zum Parkhaus „Amalienstraße” ohne Genehmigung zu bauen und diese Genehmigung nachträglich erteilt bekommt, der setzt sich auch weiterhin über alle begründeten Argumente und Wünsche der Oldenburger hinweg.
Lasst doch mal Revue passieren, was Herr Pantel uns in Oldenburg gebracht hat.
(...)
Elke LindenauOldenburg
