HELLBUSCH - Erfolgreiche Inbetriebnahme. Energie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz wird CO2-neutral erzeugt.
Von Klaus Derke
HELLBUSCH - Aufatmen bei Familie Hellbusch und allen beteiligten Firmen: Rechtzeitig vor Jahresende konnte das neue Blockkheizkraftwerk der Bioenergie Hellbusch GmbH & Co. KG erfolgreich in Betrieb gehen. Seit dem Frühjahr wurde an der rund 1,3 Mio. Euro teuren Anlage gebaut. Sie ist ein bundesweites Pilotprojekt, konzipiert von der Firma Mastergas.„So ein Ding gibt es noch nicht“, sagt Friedrich Hellbusch. Und weil die Anlage, die Strom und Wärme aus Holzgas erzeugt, in dieser Form noch nicht gebaut wurde, war in den vergangenen Monaten viel Ideenreichtum gefragt, wenn für Probleme praktikable Lösungen gesucht wurden. Regelmäßig finden Treffen aller Beteiligten statt. „Selbst ich als Bauer kann dazu schon mal einen guten Gedanken beitragen“, sagt Friedrich Hellbusch. Er hat im Laufe der Bauzeit viel dazu gelernt.
Für die Inbetriebnahme mussten zwei Tonnen Holzkohle in den Gaserzeugungsreaktor eingefüllt werden, um die Pyrolyse in Gang zu bringen. Pyrolyse bezeichnet die Zersetzung von festen oder flüssigen Stoffen bei hohen Temperaturen unter Sauerstoffausschluss. Im Reaktor bei Hellbusch sind es Holzhackschnitzel, die zu Gas zersetzt werden, das danach mit einer Temperatur von mehr als 650 Grad in die Aufbereitungsanlage strömt. Dort wird es gekühlt und gereinigt, bevor es den beiden Zündstrahlmotoren zugeführt wird. Bis zu 220 kw elektrische Leistung pro Motor werden angestrebt.
Unter Volllast werde die Anlage stündlich rund zwei Schütt-Raummeter des Rohstoffes Holz benötigen. Das Holz, zu Hackschnitzeln verarbeitet und mit der Abwärme aus der eigenen Anlage getrocknet, wird von der Forstbetriebsgemeinschaft bzw. vom Forstamt geliefert. Verarbeitet wird minderwertiges Holz aus den Wäldern, das zu krumm und zu dünn ist, um es in der Sägerei zu nutzen. Auch Baumschnitt vom Freischneiden der Straßen und Wege kann eingesetzt werden. Um das Holz in „Schnitzel“ zu verwandeln, lässt ein Unternehmer extra einen neuen, mobilen „Hacker“ bauen. „Bäume bis 60 Zentimeter Durchmesser sind kein Problem“, so Hellbusch.
Das neue Blockheiz-Kraftwerk erzeugt nicht nur Strom, sondern auch Wärme. Und die soll laut Hellbusch nicht nur für die Trocknung des eigenen Holzes bzw. für die Lohntrocknung eingesetzt werden, sondern auch zum Heizen. Der Anschluss des eigenen Hauses ist geplant, wie auch die Installation von Nahwärmeleitungen zu Nachbarhäusern. Eineinhalb bis zwei Kilometer seien gut zu überbrücken, meint Hellbusch. Rein theoretisch könne er zum Beispiel auch Rathaus und Sporthalle in Großenkneten mit Wärme versorgen.
