Nordenholz - „1234 nach Christus, dieses Datum kann man sich gut merken“, sagt Professor Lutz Walk. Der Huder Hobbyhistoriker stellte im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins Nordenholz im Vielstedter Bauernhaus seine Präsentation zur Geschichte der Bookholzberger Freilichtbühne „Stedingsehre“ vor.
Und die begann 1234, als die Stedinger Kämpfer in die Schlacht um Altenesch zogen und vom Kreuzzugsheer des Bremer Erzbischofs gnadenlos niedergeschlagen wurden. 700 Jahre später funktionierten die Nationalsozialisten dann 1934 die Freilichtbühne in Bookholzberg zu einer NS-Kultstätte um. Zwei Jahre lang wurde hier das Theaterstück „De Stedinge“, das Autor August Hinrichs im Auftrag des Gauleiters Carl Röver geschrieben hatte, vor mehr als 150 000 Menschen aufgeführt. Eine riesige Kirchenfassade wurde gebaut und mehr als hundert Laiendarsteller gesellten sich damals zu den professionellen Schauspielern auf der Bühne.
„Oldenburg war das erste Land im Deutschen Reich, in dem die NSDAP eine absolute Mehrheit hatte“, berichtete Walk. Und auch in Hude erreichten die Nazis ein Rekordwahlhoch von mehr als 70 Prozent. „Das ist kein Ruhmesblatt für uns“, sagte Lutz Walk, „das erklärt aber die so große Annahme des von den Nazis initiierten Theaterstücks in der hiesigen Bevölkerung.“ Noch heute werden regelmäßig Erinnerungsfeiern zur „Stedingsehre“ abgehalten, „mit den Nazis hat das aber nichts mehr gemein“, versicherte Walk.
Der Vortrag war eigentlich nur die Kür der Jahreshauptversammlung des Nordenholzer Ortsvereins,. Dennoch hingen die Mitglieder mehr als eineinhalb Stunden an den Lippen des wortgewandten Professors.
Doch auch die Pflicht hatte an diesem Abend gerufen: Vorstandsberichte und Wahlen standen auf dem Programm. Dabei wurden der 1. Vorsitzende Rolf Schote und die zwei gleichberechtigten stellvertretenden Vorsitzenden Heiko Aschenbeck und Anne Becker wiedergewählt. Auch Kassenwart Gerold Rüdebusch und die Beisitzer Otto Büttner, Rudolf Tönjes und Iris Schmidtmann wurden in ihren Ämtern bestätigt. Bezirksvorsteherin Helga Vorspohl behielt ebenfalls ihre Aufgaben als Beisitzerin, das Ehepaar Imke und Jürgen Boye stellt künftig das Kassenprüferpärchen. Nach zwei Jahren ohne Vereinsschriftführer übernimmt nun Sonja Spille diese Aufgabe.
Vorsitzender Rolf Schote zog ein positives Fazit: „Es war ein schöner Abend, wir haben im Vortrag von Professor Walk viel erfahren“, erklärte er. „Und vielleicht beinhaltet die Terminplanung des Vereins in diesem Jahr auch eine Radtour zur Freilichtbühne.“
