HEMMELSBERG - Nur sehr langsam baut sich die gewünschte Homepage auf dem Rechner von Familie Claußen aus dem Brandholzweg 4a in Hemmelsberg auf. „Ich muss für die Schule öfter mal etwas im Internet suchen“, sagt der 15-jährige Markus Claußen. „Das dauert immer sehr lange, eh sich eine Homepage aufgebaut hat. Abends gegen 17/18 Uhr komme ich gar nicht mehr ins Internet.“ Bilder per E-Mail verschicken – darauf verzichtet Familie Claußen komplett. Denn „sonst stürzt der Rechner ab“, erklärt Vater Ingo Claußen.
Der 53-Jährige ist sauer. Ende 2010 habe EWE-Tel ihm versprochen, schnelleres DSL zu bekommen, sogenanntes Highspeed-Internet mit bis zu 50 000 Kilobits pro Sekunde. Anfang 2011 unterschrieb er einen Vorvertrag bei der EWE. Kurze Zeit später kam die enttäuschende Nachricht. „Wir sollten doch kein schnelleres DSL bekommen“, sagt Ingo Claußen.
Zahlreiche Anrufe
Die Begründung der EWE, laut Ingo Claußen: Die Dämpfung sei zu hoch. Er würde zu weit weg vom Technikknotenpunkt wohnen. Dieser befindet sich seit Januar 2011 in einem grauen Kasten in Altmoorhausen und schließt an das Glasfasernetz des EWE-Konzerns an (dieNWZ
berichtete). Haushalte in Hemmelsberg sollten im zweiten Quartal 2011 über superschnelles Internet verfügen, sagte Thomas Windgassen, Leiter der EWE-Geschäftsregion Cuxhaven/Delmenhorst, im Januar derNWZ
. „Die eine Hälfte von Hemmelsberg verfügt darüber“,so Ingo Claußen. „Die andere nicht. Das kann ja nicht sein.“Zahlreiche Anrufe bei der EWE-Servicestelle folgten. „Uns wurde nur gesagt, dass alles noch geprüft werden müsse. Seit die eine Hälfte von Hemmelsberg das schnelle DSL hat, ist unser Internet noch langsamer geworden,“ ärgert sich der 53-Jährige.
Für ihn stelle das Internet eine große Hilfe im Alltag da. „Ich sitze im Rollstuhl. Es ist eine Verknüpfung mit der Außenwelt. Wozu bezahle ich das noch, wenn es bei uns eh nicht richtig funktioniert.“
Gerd Lottmann, Leiter der Unternehmenskommunikation EWE-Tel, sagte auf Nachfrage derNWZ
: „Herr Claußen hat vor längerer Zeit einen Antrag auf VDSL gestellt. EWE-Tel baut das Netz im Rahmen eines Konjunkturpaketes auf, um weiße Flecken zu schließen.“ Im Bereich von den Claußens werde es seit Beginn des zweiten Quartals aufgebaut. Wenn jemand zu weit vom Technikknotenpunkt entfernt wohne, könne es dazu führen, dass er nicht mit der schnellen Leitung versorgt werde könne, so wie es wahrscheinlich bei Ingo Claußen der Fall sei.Dämpfwerte zu schlecht
„Wir stellen die sogenannten Kabelverzweiger dort auf, wo wir die meisten Haushalte erreichen können“, erklärt Lottmann. Eine Erstprüfung der EWE hätte ergeben, dass die Dämpfwerte bei den Claußens zu schlecht seien. Da die Leitungen beim Hausanschluss auf dem Datennetz der Telekom basieren, würde diese die Angelegenheit derzeit prüfen. „Ende der Woche erwarten wir eine Antwort“, so Lottmann. Dazu, dass die Claußens nach Versorgung eines Teils von Hemmelsberg einen langsameren Internet-Zugang haben würden, sagt Lottmann: „Das müsste ich prüfen. Das ist ein Fall, der wahrscheinlich oft in Deutschland vorkommt, aber nicht EWE-spezifisch ist.“
