HERRENHAUSEN - Einen neuen Dieselfilter in einen Radlader einzubauen, das ist für Tom Kruse aus Herrenhausen kein Problem. Auch schweißen kann er längst, wenn er auch keinen entsprechenden Lehrgang mitgemacht hat. Und jetzt – mit 16 – hat er auch seinen eigenen Werkzeugwagen, den er Stück für Stück mit gutem Werkzeug füllt. Wie Mutter Marion gesagt hatte: „Bei uns gibt es ab 16 kein Spielzeug mehr, sondern einen Werkzeugwagen.“
Gern in der Werkstatt
Der Schüler der Haupt-und Realschule Wiefelstede bastelt und repariert einfach gern alte landwirtschaftliche Geräte und kann mittlerweile auf eindrucksvolle „Arbeitsnachweise“ zurückblicken: einen Zweischarpflug, eine Federzinkenegge und einen großen, alten Krone-Kippanhänger, die er alle wieder auf Vordermann gebracht hat. „Tom konnte noch nicht laufen, da fuhr er schon Bagger“, scherzt die Mutter – und bringt doch irgendwie auf den Punkt, dass ihr Zweitältester einen Großteil seiner Freizeit eben auch in der Werkstatt seines Opas Manfred verbringt.
Erst bei Trecker geholfen
Mit dem hat er vor drei Jahren nach einem Appell von Uropa Johann einen auf dem Hof vor sich hin „vegetierenden“ Hanomag Perfekt 400 E, Baujahr 1967, wieder auf Vordermann gebracht, mit dem die Familie nun auch gern zum alljährlichen Oldtimer-Treffen der Hollener Treckerfreunde fährt. Einen Zweischarpflug, der ebenfalls mindestens 20 Jahre nicht mehr benutzt worden war, hatte Tom anschließend wieder hergerichtet, abgeschliffen und lackiert, bevor er sich an den großen Krone-Kippanhänger wagte – ein Projekt, dass ihn neun Monate seines Lebens beschäftigte. Und so manches Mal mussten die Eltern Geld für Farbe geben. Das „Prachtstück“ führte die Familie dann ebenfalls in Hollen vor – im vergangenen Jahr.
Im Internet ersteigert
Die Federzinkenegge schließlich hatte Tom im September vergangenen Jahres im Internet ersteigert – für 67 Euro. Sie sollte „leichte Gebrauchsspuren aufweisen“, erinnert sich der 16-Jährige, der dann aber doch eine stark ramponierte Ausgabe bekam. Aber auch die sieht jetzt wieder aus wie neu.
Natürlich ist der Schüler „reingewachsen“ in seine Fähigkeiten. Schließlich ist Vater Matthias selbstständiger Straßenbaumeister und Opa Manfred hat ein Unternehmen für Kabelverlegung.
Tom fährt auch Motorrad
Und mittlerweile hat die Familie auch das Motorradfieber befallen: Selbst Tom fährt bereits eine 125er und will natürlich so bald wie möglich neben dem Auto- auch den richtigen Motorradführerschein machen. Mit der Technik haben es vor allem die Männer in der Familie und so wird fast alles auch im Haus selbst repariert. „Nur Tapezieren – dazu hat keiner von ihnen Lust“, lacht Mutter Marion. Im Sommer wird Tom mit der Schule fertig, hat dann den Hauptschulabschluss. Einen Ausbildungsplatz hat er auch schon, erzählt er: Er will Straßenbauer werden, wie sein Vater – und fängt bei Matthäi in Westerstede an.
