Egal aus welchem Anlass, der „Oldenburger Hof“ von Familie Stolle ist seit vielen Jahren ein beliebter Anlaufpunkt in Ganderkesee. Hier fühlen sich die Gäste immer gut aufgehoben. Auch ich persönlich kann dieses nur bestätigen und für mich ist Ute Stolle (67) die „Seele des Hauses“. „Wenn ein Gast nachts um 1 Uhr noch eine Torte möchte, dann steht meine Mutter nachts in der Küche und backt. Sie ist die fleißigste und gutmütigste Frau die ich kenne“, erzählt mir ihre Tochter Imke Claußen (geb. Stolle).

Als älteste von drei Töchtern, musste Ute ihren Eltern Waltraud und Oskar Rodiek schon früh auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb helfen. Zunächst in Vielstedt, wo sie geboren ist, später dann in Sethe bei Hengsterholz. „Als meine Eltern einmal drei Tage unterwegs waren, musste ich unsere zehn Kühe alle mit der Hand melken“, erinnert sie sich.

Ihr Traumberuf war Friseurin, aber damit waren ihre Eltern überhaupt nicht einverstanden. Da sich Ute in der Küche immer gut zu helfen wusste, begann sie 1961 mit 14 Jahren eine Ausbildung zur Köchin im „Hof Hoyerswege“ bei Familie Menkens. Obwohl der Ausbildungsbetrieb und ihr Elternhaus nur wenige Kilometer voneinander entfernt waren, durfte Ute „nur“ an ihrem freien Tag nach Hause. „Wenn wir um 22 Uhr Feierabend hatten, schaute unsere Chefin um 22.30 Uhr ins Zimmer und meinte: Mädels, Licht aus und schlafen!“ Ihre Chefin war aber so zufrieden mit ihr, dass sie im zweiten Lehrjahr schon den Küchenchef vertrat, wenn dieser nicht im Hause war.

Nach ihrer Ausbildung sammelte Ute noch praktische Erfahrung beim „Bremer Tor“ in Brinkum und beim „Hotel zur Post“ in Delmenhorst. Bei einem Feuerwehrball in Hengsterholz lernte sie den jungen Gastwirt Klaus Stolle aus Ganderkesee kennen. Seine Eltern hatten 1935 den „Oldenburger Hof“ von Familie Kruse übernommen. Aus dem ersten Kennenlernen wurde mehr und so heiratete Ute 1967 in den Familienbetrieb ein.  „Ich hatte es sehr einfach, denn ich habe mich mit meinen Schwiegereltern immer sehr gut verstanden“, erzählt Ute.

Angesteckt von der Leidenschaft ihres Ehemanns Klaus, wurde sie auch zum Fußballfan – ganz besonders vom FC St. Pauli in Hamburg. Wenn es der „Oldenburger Hof“ erlaubte, fuhren die beiden mit dem Zug nach Hamburg und feuerten ihre Mannschaft im Stadion an.


In den folgenden Jahren wurde die Zeit dafür immer knapper, denn 1972 übernahmen sie den „Oldenburger Hof“ von ihren Schwiegereltern und mit den Jahren wurde der Familienbetrieb immer weiter ausgebaut. Auch die gutbürgerliche Küche von Ute wurde immer vielfältiger. „Mit Kursen und vielen Büchern habe ich mich weitergebildet!“.

Neben ihrer Küche geht ihr die Familie über alles. Sohn Olaf hat inzwischen zusammen mit seiner Ehefrau Melanie den Betrieb übernommen. Auch Tochter Imke und Schwiegersohn Michael sind immer zur Stelle, wenn „Not am Mann“ ist. Für Ute hat sich allerdings nicht viel geändert, die Küche ist nach wie vor ihr Reich. Ihre hausgemachte Hühnersuppe oder ihre leckeren Torten sind der absolute Renner bei den Gästen.

Ruhetag ist für Familie Stolle ab Sonntagnachmittag und dann auch nur, wenn keine Familienfeier angemeldet ist. Familie ist für Ute nicht nur ein Wort, sondern ihr ganzer Stolz. Ganz besonders ihre vier Enkelkinder, die sich immer auf ihre Oma verlassen können. Auf eines verzichtet Ute aber nur ganz selten. Jeden Mittwochnachmittag trifft sie sich mit ihren Schwestern Etta und Vera. Wenn es das Wetter erlaubt, geht es mit dem Fahrrad auf Tour oder sie fahren mal gemeinsam zum Open-Air-Konzert von Andrea Berg. „Ich bin ein ganz großer Fan von Andrea Berg“, gesteht Ute mir.

Einen Tag im Oktober 1985 wird sie wohl nie vergessen. Am Abend bekam sie unerwarteten Besuch von vier Herren, die sie fragten, ob sie Faschingsprinzessin werden wollte. Nach anfänglichen Zögern und der großen Fürsprache von Ehemann Klaus sagte Ute „Ja“. Zusammen mit Helmut Rigbers bildete sie 1986 das Ganderkeseer Prinzenpaar. Noch heute ist sie aktiv bei den Ex-Prinzessinnen: Dann geht es jedes Jahr direkt aus der Küche auf die Bühne, um mit den Ex-Prinzenpaaren den jeweiligen Faschingsschlager zu singen.

Trotz Fasching: Ganz besonders gehört Ute Stolles Herz ihrer Familie und ihren Gästen. Sie stellt sich nie in den Vordergrund – darum hat es auch solange gedauert, bis ich endlich einen Termin bei ihr bekommen habe.

Ute Stolle, Seniorchefin des Gasthofes „Oldenburger Hof“ in Ganderkesee