Augustfehn - Familie Baumann hat Untermieter. Dutzende sind es. Sie zahlen keinen Cent, machen ziemlich viel Dreck. Doch die „Baumänner“ heißen sie herzlich willkommen, wollen sie nicht mehr missen. „Vor drei Jahren hat alles angefangen. Da war es ein Pärchen, das bei uns unter dem Dach eingezogen ist“, berichtet Birgit Baumann. „Nach und nach kamen immer mehr dazu. Als würde es sich herumsprechen, dass sich bei uns gut und in Ruhe leben lässt“, sagt die 40-Jährige.

In diesem Frühsommer wimmelt es nur so von ihnen – von Schwalben. Fleißig bauen sie ihre Nester am Baumann-Haus, das seit 15 Jahren in Augustfehn am Kanal steht. Um die 20 Nester – einzeln, als „Doppelhäuser“ und in Reihenbauweise – haben die Gastgeber gezählt. „Und es kommen weitere Schwalben zu uns.“ Stören lassen sich die Vögel nicht, weder von der im Haushalt mitlebenden Katze noch von den beiden Jack-Russell-Terriern. Wenn Menschen um die Ecke kommen, nehmen die Schwalben Reißaus – aber nur vorüberfliegend, sozusagen.

Eckart Liebl, Vogelexperte und stellvertretender Ammerland-Vorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, ist nicht überrascht von der Fülle an Mehlschwalben, die sich bei der Familie eingenistet hat. „Wenn man die Tiere nicht stört, kommen sie immer wieder. Traditionell kehren sie zu ihrer Brutstätte zurück. Außerdem ziehen die vorhandenen Schwalben andere an“, erläutert er. Hinzu komme offenbar eine schwalbenfreundliche Umgebung. Durch Gartenteich, Augustfehnkanal und Graben fänden die Vögel genug matschiges Material für den Nistbau, außerdem sorgten die Gewässer für ausreichend Insekten als Nahrung. Liebl freut sich darüber, dass die Augustfehner Familie ihre piependen Mitbewohner toleriert. „Das ist nicht bei allen Menschen so. Man kann das vielleicht auch verstehen. Schließlich verursachen die Vögel recht viel Schmutz.“

Für Birgit, ihren Mann Andreas und Sohn Hendrik stellen die Hinterlassenschaften kein Problem dar. „Wenn die Schwalben nach dem Sommer weggeflogen sind, geht mein Mann mit dem Hochdruckreiniger ans Werk“, erzählt die 40-Jährige. Wände, Dachüberstände und die Wege am Haus würden dann ordentlich gereinigt. Schwieriger ist das Putzen des Wintergartendaches. Damit das Glas nicht zu sehr leidet, haben die Baummanns darauf einen ausrangierten Teppich gelegt.

„Dass sich die Schwalben bei uns wohlfühlen, ist doch toll“, sagt die Hausherrin. Und sie freut sich schon auf den Zuwachs im nächsten Jahr. Eine Wand ist nämlich noch unbewohnt.

Kerstin Buttkus
Kerstin Buttkus Kanalmanagement