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Herzblut für Heimatstube

Vor einiger Zeit war ich zu Gast in der Heimatstube des Orts-und Heimatvereins Ganderkesee in der alten Schule in Bürstel. Ich war sehr angetan, wie hier das Landleben früherer Jahre verdeutlicht wird. Spannend und anschaulich erklärt wurde alles von einer der Mitbegründerinnen der Heimatstube, Elfriede Sotta. Als sie mir bei unserem jetzigen Gespräch ihr Geburtsdatum (April 1926) nennt, kann ich es fast nicht glauben. In keiner Sekunde merke ich ihr die 86 Lebensjahre an.

Wir treffen uns in ihrem Haus am Fahrener Weg, wo Elfriede Oetken, so ihr Mädchenname, geboren wurde. Ihr Großvater Hinrich Oetken hatte dort eine kleine Landwirtschaft und verdiente sich als Maurer noch Geld dazu. Auch ihr Vater Hermann Oetken war zunächst Maurer, bis er und sein Schwager sich mit dem Bauunternehmen „Timmermann & Oetken“ selbstständig machten. Ihr Bruder Georg übernahm später die Firma, die unter dem Namen „Baugesellschaft Ganderkesee“ sehr erfolgreich war.

Als Elfriede 1940 ihre Volksschulzeit beendet hatte, ging sie für ein Jahr auf die Haushaltungsschule. Daran schloss sich ein Pflichtjahr in einem Haushalt an. Handarbeiten machten ihr sehr viel Spaß und so wollte sie eigentlich auch Schneiderin werden. Dieser Traum ließ sich nicht verwirklichen, dafür hatte ihr Vater für sie ein Vorstellungsgespräch bei der Sparda-Bank (heute Volksbank) organisiert. Bank-Chef Hans Auffarth sah ihr Zeugnis und bemerkte nur: „Handarbeiten brauchst Du hier nicht, aber wir schaffen das schon!“

Als sie ihre Ausbildung 1944 erfolgreich abgeschlossen hatte, wechselte sie zur Spar-und Darlehnskasse Hasbergen in Neuendeel, wo sie mit der Leitung der Filiale betraut wurde. „Die Männer waren ja alle im Krieg“, erinnert sie sich. Nach dem Krieg war der heimatlose Soldat Paul Lenz aus Pommern in ihre Nachbarschaft am Fahrener Weg gezogen. Die beiden jungen Leute fanden Gefallen aneinander und 1946 wurde geheiratet. Bereits im gleichen Jahr wurde Tochter Edith geboren. Drei Jahre später kam Sohn Hermann dazu.

Doch kurz danach, das schildert Elfriede mir ganz offen, ging die Ehe in die Brüche. Von ihrem damaligen Wohnort Hengsterholz zog sie mit ihren beiden kleinen Kindern ins Elternhaus zurück. In Bremen bekam sie in einer Baustoffhandlung einen Job im Büro. 1952 erfuhr sie über eine Zeitungsanzeige, dass eine kleine Bank in Bremen-Huchting eine Mitarbeiterin suchte. Dort blieb sie 34½ Jahre beschäftigt. „Ich habe hier zwar viele Fusionen mitgemacht, aber als ich mit 60 Jahren in den Ruhestand ging, war etwas Wehmut dabei.“


Inzwischen hatte sie auch ihr privates Glück gefunden: Kurz vor der Hochzeit ihrer Tochter Edith lernte sie den Arbeitskollegen ihres Schwiegersohnes kennen: Werner Sotta. „Wir haben uns gesehen und gefunden!“ Im September 1965 wurde geheiratet. Zur Familie gehören fünf Enkelkinder und auch schon zwei Urenkel (13 und elf Jahre).

„Lass die grauen Zellen immer arbeiten“, ist die Devise von Elfriede Sotta. So sagte sie nicht Nein, als die Frauen vom Orts-und Heimatverein Ganderkesee sie als neues Vorstandsmitglied vorschlugen. Bis dahin wurden diese Posten nur von Männern besetzt. „Anfangs war es nicht so einfach, aber irgendwann haben sie mich akzeptiert“, schildert Elfriede. Sie lernte, sich durchzusetzen. Das bekamen im Laufe der Zeit auch einige Bürgermeister oder Gemeinderäte zu spüren.

Einmal lud sie die Mitglieder des Ganderkeseer Gemeinderates zu einer Besichtigung in der Heimatstube ein. Im Erdgeschoss stand eine alte Waschmaschine, die ins obere Stockwerk gehörte, und so sagte Elfriede kurzerhand: „Meine Herren, fassen sie mal mit an!“ „Selbst Hans-Christian Schack und Hans Hubmann waren sich nicht zu schade und packten tatkräftig mit an“, sagt sie schmunzelnd.

Als Elfriede Sotta mir von den Anfängen der Heimatstube erzählt und den vielen Schwierigkeiten die damit verbunden waren, merke ich, wie viel Herzblut und Engagement sie und auch ihr Ehemann in dieses Projekt gesteckt haben. „So lange wir können, machen wir weiter“, erzählt Elfriede mir. Das hätte ich auch nicht anders erwartet.

Elfriede Sotta,

Gründerin und Leiterin der Heimatstube in Bürstel
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