Friedrich-August-Hütte - Die Elektrolyse ist das Herzstück der Nordenhamer Zinkhütte. In diesem Anlagenbereich, den die Mitarbeiter meistens Bäderhalle nennen, verbraucht das Unternehmen stolze 85 Prozent seines jährlichen Strombedarfs für die Metallgewinnung. Weil dieses Herzstück so wichtig für die Produktion ist, bekommt es jetzt eine neue Außenhaut. Genauer gesagt, ein neues Dach.

Was zunächst nach einem wenig spektakulären Bauvorhaben klingt, ist in Wirklichkeit ein sehr aufwendiges Projekt, das viel Vorbereitung und eine optimale Abstimmung der Arbeitsabläufe erfordert. Auch die Kosten sind kein Pappenstiel: Das Investitionsbudget für die Dacherneuerung ist auf 8 Millionen Euro veranschlagt.

„Seit drei Jahren beschäftigen wir uns damit“, blickt Carl van Dyken auf die Anfänge der Planung zurück. Daher ist es für den Geschäftsführer der Nordenhamer Zinkhütte ein „denkwürdiger und besonderer Augenblick“ gewesen, als am Donnerstag der erste Stahlträger der neuen Dachkonstruktion montiert wurde.

Dem zuständigen Betriebsingenieur und Projektleiter Thomas Rada ist es in Zusammenarbeit mit dem Bremerhavener Planungsbüro Joost, Philipps und Schulz (JPS) gelungen, ein Ablaufkonzept auszutüfteln, bei dem es zu keinerlei Einschränkungen für die Produktion in der Bäderhalle kommt. Dabei war zu berücksichtigten, dass sich direkt unter den Dachbindern die Kranbahnen für die Elektrolyse befinden.

Bei einer euroweiten Ausschreibung hat die Firma Peters aus Itterbeck (Grafschaft Bentheim) den Zuschlag für den Auftrag bekommen.

Hauptelemente des neuen Dachs für die 160 Meter lange Halle sind 32 riesige Fachwerkbinder aus Stahl. Diese Träger bestehen aus drei Einzelteilen, die vor Ort zu 28 Meter langen und 7,5 Tonnen schweren Konstruktionen zusammengeschraubt werden. Ein Kran hebt sie über die Halle und befördert sie zu den Stellen, an denen sie ihre schadhaften Vorgänger ersetzen, die immerhin 44 Jahre auf dem Buckel haben.


Über den Bindern entsteht eine Abdeckung aus Porenbetonplatten, Dämmstoff und Bitumen. Auch die bisher mit Holz bestückten Giebel werden mit Porenbeton verkleidet.

Wenn alles nach Plan läuft, sind die Arbeiten im April 2016 abgeschlossen. „Wir hoffen auf einen milden Winter“, sagt der JPS-Ingenieur Eckhard Schulz.

Das Dach der Bäderhalle wird nicht nur erneuert, sondern auch um einen Meter erhöht. Mit der künftigen Firsthöhe von 17,5 Metern schafft das Unternehmen die Voraussetzung für den späteren Einbau einer neuen Kranlage für die Elektrolyse.

Die Aufwendungen für die Bäderhalle betrachtet Geschäftsführer Carl van Dyken als einen Beleg dafür, dass der Standort eine Zukunft hat. Ansonsten belaufen sich die durchschnittlichen Ausgaben für Instandhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen im gesamten Betrieb auf etwa 10 Millionen Euro im Jahr. Der Zeitpunkt für die Investitionen ist günstig: „Wir befinden uns in einer wirtschaftlich stabilen Situation“, beschreibt Carl van Dyken die gute Entwicklung des Unternehmens.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)