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Aktualisiert vor 9 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

KAPITAL: Heuschrecken fressen deutsche Mittelständler

07.02.2007

OLDENBURG /HAMBURG Von Jörg Schürmeyer

und Annette Reuther OLDENBURG/HAMBURG - Internationale Finanzinvestoren gehen verstärkt auf Einkaufstour im deutschen Mittelstand – und immer wieder gibt es Ärger. Nach Negativbeispielen wie dem des Sanitäranlagen-Herstellers Grohe oder des Autozulieferers Kiekert stehen die Fonds in der Kritik, Unternehmen aufzukaufen, auszusaugen und dann abzustoßen.

Aktuell gibt es Aufregung beim Fotodienstleister CeWe Color. Das Management des Oldenburger Unternehmens wehrt sich gegen eine Hedge- Fonds-Forderung nach einer Sonderausschüttung von bis zu 120 Millionen Euro. Der Ton ist rau: „Wir haben uns nicht erpressen lassen und werden uns auch zukünftig nicht erpressen lassen“, sagt CeWe-Chef Rolf Hollander.

Dabei haben die milliardenschweren Finanzinvestoren aber eben das Geld, das viele mittelständische Unternehmen dringend benötigen. Wegen der verschärften Kreditvergabe-Regeln der Banken (Basel II) kommen kleine und mittlere Firmen schwerer an Fremdkapital, und die Ausstattung mit Eigenkapital ist per se gering. Das Kapital der Fonds kann da helfen. „Das ist das Kokain des Mittelstands“, sagt Hans Albrecht, Chef der Beteiligungsgesellschaft Nordwind Capitals in Hamburg in Anspielung auf den schnellen finanziellen Effekt. Hinzu kommt, dass die Investoren einspringen können, wenn die Nachfolgefrage in einem Unternehmen nicht geklärt ist. Und das ist kein seltenes Problem: Laut einer aktuellen DIHK-Umfrage bedrohen in Deutschland ungeklärte Nachfolgeregelungen 40 000 Unternehmen.

„Seit dem letzten Jahr beobachten wir zahlreiche neue Fonds für Mittelstands-Übernahmen“, sagt Rolf Christof Dienst vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Nach Verbandsangaben nehmen Übernahmen unter 500 Millionen Euro Wert stetig zu.

Traditionsunternehmen wie der Modellbahnbauer Märklin (Göppingen) oder der Brillenhersteller Rodenstock (München) sind bereits in den Händen der so genannten Private Equity Fonds. „Der Mittelstand öffnet sich jetzt nachweislich den Investoren“, sagt André Gloede, Anwalt bei der auf Beteiligungsfonds spezialisierten Kanzlei SJ Berwin.

Das Geld der Fonds bilde bei kleinen und mittelständischen Unternehmen mit über 25 Millionen Euro Umsatz ein „großes Potenzial“, heißt es in einer Studie der Beratung Fleischhauer Hoyer & Partner. Allein in 2005 sei die Zahl der durch Finanzinvestoren übernommen Familienunternehmen europaweit um 22 Prozent auf rund 500 gestiegen.

Finanziert werden die Übernahmen zum Großteil durch Banken, deren Geld wegen niedriger Zinsen noch relativ günstig ist. Die Investoren laden die Schulden meist dem Unternehmen auf, halten die Beteiligung einige Jahre und bauen die Firma in der Zeit um. Die Kosten werden in den meisten Fällen durch Stellenabbau gesenkt. Anschließend verkaufen die Fonds die Unternehmen im besten Fall zu einem höheren Preis.

Wie lange die Einkaufstour noch anhält, ist ungewiss. „Die Deals sind mittlerweile total verrückt, es werden viel zu hohe Preise bezahlt. Und die Banken leihen – getrieben durch Hedge-Fonds – unglaublich viel Geld. Das Spiel kann nicht ewig weitergehen“, sagt Albrecht.

Selbst bei den sonst so rigorosen Investmentbanken regt sich Unbehagen: „Bei jeder Übernahme werden als erstes Leute entlassen“, sagt ein Banker, der anonym bleiben will. „Man fragt sich schon, ob das moralisch vertretbar ist. Vor allem wenn es um kleinere Firmen oder Familienunternehmen geht.“

CeWE und M2

im virtuellen Kampf

Auf das Internet setzen in ihrer Auseinandersetzung um eine Sonderausschüttung sowohl der Oldenburger Fotodienstleister CeWe Color als auch der Hedgefonds M2 Capital (New York).

CeWe Color hat auf seiner Internetseite (cewecolor.com) eine eigene Unterrubrik unter dem Titel „Wirtschaftskrimi“ zum Konflikt eingerichtet. Dort hat das Unternehmen eigene Mitteilungen und Presseberichte veröffentlicht.

M2 Capital legt auf einer eigens eingerichteten Seite (fixcewecolor.com) seine Hintergründe für eine außerordentliche Hauptversammlung dar. Zudem hat M2 eigene Mitteilungen online gestellt.

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