Bösel - Wer an den Beruf des Müllers denkt, hat nicht selten einen weiß gekleideten Mann mit Mehlstaub im Gesicht vor Augen, der aus einer Mühle Säcke voll Mehl auf einen Pferdekarren lädt. Diese romantische Vorstellung ist natürlich längst Geschichte. Den Müller gibt es aber noch heute. Nur die offizielle Berufsbezeichnung hat sich geändert. Jetzt ist man ein Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft.

Das ist ein anerkannter Ausbildungsberuf und das Kraftfutterwerk Themann an der Overlaher Straße in Bösel ist ein Ausbildungsbetrieb. Seit August diesen Jahres ist Pascal Sonntag der neue Azubi. Der 17-jährige Garreler ist auf einer Jobmesse auf den Beruf des Müllers aufmerksam geworden. „Ich habe gleich gemerkt, dass das zu mir passt“, sagt Sonntag. Als kurze Zeit später das Unternehmen Themann per Annonce genau diesen Ausbildungsplatz anbot, schickte er sofort eine Bewerbung los. Nach einem dann folgenden Vorstellungsgespräch und einer Betriebsbesichtigung bekam er die Stelle.

Da die Prozesse der Kraftfutterherstellung längst automatisiert sind, hat es der Auszubildende hauptsächlich mit computergestützten Aufgaben zu tun. Nur selten ist Körperkraft gefordert. „Bei diesem Beruf ist in erster Linie Köpfchen gefragt“, sagt der 17-Jährige. Auch der kaufmännische Bereich komme nicht zu kurz. „Die ersten Wochen gefallen mir schon sehr gut. Ich komme jeden Tag gerne zur Firma und ich habe nette Kollegen.“ Zudem sei er schon gut in den Produktionsprozess integriert und könne auch schon selbstständig Arbeiten ausführen.

Der Unterricht in der Berufsschule findet zweimal im Jahr als sechswöchiger Blockunterricht statt. Dafür muss Pascal zur Müllerschule Wittingen ins östliche Niedersachsen. Bundesweit gibt es nur zwei solcher Schulen. Es gibt halt nicht viele Müllerlehrlinge.

Ohnehin sei das Berufsbild des Müllers kaum bekannt, sagt Berthold Themann, Geschäftsführender Gesellschafter von Themann Kraftfutter. Daher möchte das Unternehmen diesen Ausbildungsberuf auch auf der Jobmesse im Oktober in Bösel näher vorstellen (siehe auch Artikel unten). Die Böseler Firma bildet zudem zum Groß- und Außenhandelskaufmann aus und möchte zusätzlich einen Ausbildungsplatz zum Berufskraftfahrer schaffen. „Unser Ziel ist es, eigene Kräfte auszubilden und zu übernehmen“, sagt der Geschäftsführer. Pascal habe daher „sehr gute Chancen“, nach der Ausbildung im Betrieb zu bleiben.


Und was muss ein angehender Müller für Qualifikationen und Eigenschaften mitbringen? „Er muss verantwortungsbewusst mit Lebensmitteln umgehen können. Das ist ganz wichtig. Entschlossenheit und Sorgfalt sind ebenso gefragt wie Teamfähigkeit“, sagt Elke Themann, die im Unternehmen unter anderem den Bereich Ausbildung betreut. Schulisch sollte man gute Noten in Deutsch, Mathematik, Physik und Biologie haben. Eine Affinität zum PC ist ebenfalls vorteilhaft.

Voraussetzungen, die Pascal Sonntag erfüllt. Einen Blick in die Zukunft wagt er auch schon: „Ich möchte gerne die Meisterprüfung machen.“ Dieser Plan scheint kein schlechter zu sein, denn Berthold Themann versichert: „Müller sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt.“

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)