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Hobby Hier ist noch alles unterm Spaten

Horst Lohe

Nordenham - Das Interesse an einer Parzelle des Kleingartenvereins Blüh auf ist gewachsen: Innerhalb von sechs Wochen hat der Verein vier neue Mitglieder aufgenommen. Doch der Trend, der bereits Ende der 70er Jahre eingesetzt hat, ist ungebrochen: Statt eines reinen Nutzgartens bevorzugen die zurzeit 70 Mitglieder einen Erholungsgarten. Mit einer Ausnahme. Vorsitzender Dieter Bolles (59) zeigt auf die Parzelle von Helmut Becker: „Hier ist noch alles unterm Spaten. Helmut Becker ist der einzige echte Kleingärtner von Blüh auf.“

Der neun bis zehn Kilogramm schwere Kohlrabi, den Helmut Becker zeigt, ist keineswegs ungewöhnlich in seinen Gemüsebeeten. „Die Exemplare der Sorte Superschmelz werden in der Regel so groß“, erläutert der 76 Jahre alte Nordenhamer.

Seit 1970 in Nordenham

Der gelernte Schlosser ist seit 38 Jahren Kleingärtner bei Blüh auf. Sein Schwiegervater hatte ihn darauf gebracht. Helmut Becker stammt aus Rheinland-Pfalz, genauer aus Idar-Oberstein, und ist 1970 nach Nordenham gekommen. Er war auf Montage bei der damaligen Preussag-Bleihütte, lernte seine Ehefrau Elfriede kennen und blieb in Nordenham.

„Selber säen und ernten und sehen, wie alles wächst und gedeiht“ – das reizt den Rentner nach wie vor. Er kauft keine Setzlinge oder Jungpflanzen, sondern ausschließlich Saatgut.

Sechs bis sieben Sorten Tomaten baut Helmut Becker an und sämtliche Gemüsesorten – von der Kohlrabi über Wurzeln und Radieschen bis hin zu Wirsing und Grünkohl. Da kommt viel mehr an frischem Gemüse zusammen, als er und seine Frau essen können. Darüber freuen sich die Familie, Nachbarn und Freunde.


Auch Vereinsvorsitzender Dieter Bolles schätzt frisches Gemüse aus eigenem Garten und ermuntert zur Nachahmung. „Man schmeckt zum Beispiel, ob eine Tomate aus dem Laden oder dem eigenen Garten kommt. Für die eigenen  Tomaten braucht man fast kein Gewürz.“ Dieter Bolles schwärmt zudem von den ersten jungen Kartoffeln und vom Kopfsalat: „Das ist ein Genuss.“

Kleingärtner müssten zwar Rückschläge einstecken wie Wetterunbilden, Ungeziefer-Befall, Wühlmäuse. Mitunter gebe es auch heute noch Fälle von Mundraub, berichtet Dieter Bolles. Vor allem aber: Ein Nutzgarten mache deutlich mehr Arbeit. Dennoch em-pfiehlt der Vorsitzende mehr Gemüseanbau bei Blüh auf: „Spätestens nach der ersten Ernte macht das richtig Spaß.“

Mindestens ein Drittel

Nach dem Bundeskleingartengesetz muss mindestens ein Drittel eines Kleingartens zum Anbau von Essbaren verwendet werden. Bei Helmut Becker waren es noch bis vor drei Jahren stets 100 Prozent. Ein gesundheitlicher Rückschlag hat ihn gezwungen, von seiner etwa 300 Quadratmeter großen Parzelle etwa 50 Quadratmeter in eine Rasenfläche umzuwandeln.

Der Rasen soll aber nicht ausgedehnt werden. So lange es gesundheitlich geht, möchte Helmut Becker weiterhin fast täglich in seinem Kleingarten werkeln. „Ich kann nicht ruhig zu Hause sitzen. Ich muss etwas tun und bin immer gerne an der frischen Luft.“

Vor allem für seine Ehefrau Elfriede (68) hat Helmut Becker seine Parzelle mit einigen Blumen verschönert. Fast jeden Tag bekommt sie einen schmucken Strauß aus dem eigenen Garten.

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