HILDESHEIM - HILDESHEIM/DPA - Im Prozess um den Heros-Betrugsskandal ergeben sich immer mehr Details zu den chaotischen Zuständen im ehemals größten deutschen Geldtransport-Unternehmen. Eine ehemalige Mitarbeiterin berichtete im Landgericht Hildesheim, dass Kollegen Kundengelder mit nach Hause genommen hätten. Eine Vorgesetzte in der Zweigstelle Viersen habe ihr 30 000 Euro geschenkt, weil sie nach ihrer Trennung in Geldnot gewesen sei. Die Zeugin selbst war wegen der Erpressung eines Niederlassungsleiters zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Sie hatte als Schweigegeld eine „Abfindung“ in Höhe von 150 000 Euro
erzwungen.
Seit November müssen sich der Heros-Gründer, der Prokurist und zwei Niederlassungsleiter wegen Untreue in besonders schweren Fällen und Bankrott verantworten. Laut Anklage haben sie mehr als 1000 Firmen geschädigt und Kundengeld in Höhe von rund 270 Millionen Euro unterschlagen, um in einem Schneeball-System zuvor angehäufte Rechnungen des Unternehmens zu begleichen. Außerdem sollen sie sich Millionen in die eigene Tasche gesteckt und verprasst haben.
„Der Anklage-Verdacht bestätigt sich zunehmend“, resümierte Oberstaatsanwalt Andreas Henze nach 28 Verhandlungstagen. Der 58 Jahre alte Ex-Firmenchef Karl-Heinz Weis hatte ein umfangreiches Geständnis abgelegt, auch der ehemalige Niederlassungsleiter aus dem nordrhein-westfälischen Viersen gab die Vorwürfe vor Gericht zu. Der zweite Niederlassungsleiter schweigt. Zeugen berichteten jedoch, er sei an den Manipulationen beteiligt gewesen. Der Prokurist bestreitet sämtliche Vorwürfe. Er behauptet, nur für den Heros-Transport zuständig gewesen zu sein. Der Angeklagte habe sich auch um tägliche Abläufe bei der Heros-Tochter Nordcash gekümmert, hätten laut Oberstaatsanwalt Henze Zeugen ausgesagt. Der Prokurist sei der „Macher“ gewesen.
Das Gericht hat weitere 13 Verhandlungstage anberaumt, das Urteil wird zum Sommeranfang erwartet.
