HILDESHEIM - HILDESHEIM/DPA - Für den spektakulären Millionenbetrug bei dem ehemals größten deutschen Geldtransportunternehmen Heros soll Ex-Firmenchef Karl-Heinz Weis elf Jahre hinter Gitter. Für drei mitangeklagte Manager forderte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch am Landgericht Hildesheim siebeneinhalb und achteinhalb Jahre Haft. Die Angeklagten sollen über Jahre hinweg mindestens 270 Millionen Euro an Kundengeldern unter anderem namhafter Banken und Supermarktketten unterschlagen und dabei Millionen auch in die eigenen Taschen gesteckt haben. Ihnen wird Untreue in einem besonders schweren Fall und Bankrott vorgeworfen. Als der Betrug im Februar 2006 aufflog, brach die Unternehmensgruppe zusammen.
„Hier ist von oben vorgelebt worden, dass es nicht darum geht, wem das Geld gehört, sondern wie man es so geschickt wie möglich entwendet“, sagte Oberstaatsanwalt Andreas Henze in seinem dreistündigen Plädoyer. Er sieht den Heros-Chef als den Initiator eines Schneeballsystems, mit dem bereits seit Anfang der 90er-Jahre angehäufte Rechnungen und Löcher in der Bilanz mit Kundengeldern gestopft wurden. Mehr als 1000 Firmen sollen so geschädigt worden sein. Den so verschafften Finanzspielraum nutzte das Unternehmen nach Überzeugung der Anklage, um Konkurrenten mit Dumpingpreisen aus dem Markt zu drängen oder zu übernehmen.
„Seit 1990 hätte Herr Weis Insolvenzantrag stellen müssen“, sagte der Anklagevertreter. Stattdessen habe er gefälschte Bilanzen vorgelegt, „die waren das Papier nicht wert, auf dem sie standen.“
Die insolvente Heros-Gruppe war im vergangenen Sommer von einem US-Investor übernommen worden und wird unter dem Namen SecurLog weitergeführt. Rund 1000 der vor dem Konkurs etwa 4000 Mitarbeiter wurden dabei nicht übernommen. Nach dem Plädoyer der Verteidiger in der kommenden Woche wird ein Urteil Ende Mai erwartet. 17. Februar 2006: Staatsanwaltschaft und Polizei durchsuchen 25 Firmen und Wohnungen.
18. Februar 2006: Gegen den Heros-Chef der Zentrale in Hannover, Karl-Heinz Weis, sowie einen Prokuristen und zwei weitere Angestellte ergehen Haftbefehle wegen des Verdachts der schweren Untreue und des bandenmäßigen Betruges.
19. September 2006: Die Staatsanwaltschaft Hannover erhebt Anklage. Es geht um eine Gesamtschadenssumme von rund 270 Millionen Euro.
28. November 2006: Zum Prozessauftakt legt Weis ein Geständnis ab.
Im Dezember 2006 und im März 2007 werden zwei ehemalige Heros-Mitarbeiter festgenommen. Sie sollen insgesamt rund 3,6 Millionen unterschlagen haben.
