HILDESHEIM - Weil sie Millionensummen in die eigene Tasche gesteckt haben, sollen zwei ehemalige Prokuristinnen des früheren Finanzdienstleisters Heros für mehrere Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft forderte am Dienstag im Landgericht Hildesheim wegen Untreue Haftstrafen von drei Jahren und neun Monaten für die 61 Jahre alte Angeklagte sowie vier Jahre und drei Monate für die 39 Jahre alte Komplizin. Die beiden Frauen hatten gestanden, etwa zwei Millionen Euro aus dem Tresor einer Filiale in Heide genommen und geteilt zu haben.

Der Heros-Betrugsskandal war vor knapp eineinhalb Jahren aufgeflogen. Die 39 Jahre alte Angeklagte hatte im Gericht erklärt, bei der Firma sei es nach der Euro-Umstellung „drunter und drüber gegangen“. Plötzlich sei zu viel Geld im Tresor gewesen, das keinem Kunden zugeordnet werden konnte. Beide hätten das Geld heimlich eingesteckt. In der Folgezeit gaben die Frauen das Geld für einen exklusiven Lebensstil aus.

Bei dem Zusammenbruch des damaligen Branchenprimus Heros war ein Schaden in Höhe von etwa 240 Millionen Euro entstanden. Der Firmengründer Karl-Heinz Weis und drei weitere Manager waren im Mai wegen Untreue zu Haftstrafen zwischen sechseinhalb und zehn Jahren verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie Finanzlöcher gestopft und Millionensummen in die eigene Tasche gewirtschaftet.