Friesoythe - Im Wartezimmer der Kleintierpraxis von Dr. med. vet. Veronika Tholen in Friesoythe (Kreis Cloppenburg) herrscht reger Betrieb. Hunde warten ungeduldig neben ihren Herrchen oder Frauchen und Katzen spähen durch die Gitter ihrer Transportboxen.

„Kommen sie bitte mit“, sagt die Tiermedizinische Fachangestellte Lorena Machatzke. Die Basset-Hündin Josi trabt träge vom Warte- ins Behandlungszimmer. Stets an ihrer Seite bleibt ihre Hundefreundin Pia. Josi ist von den Folgen einer Operation nach einer Innenohrentzündung noch stark geschwächt. Tierärztin Merlind Funck und die Tiermedizinische Fachangestellte Nicole Wysotczki beginnen mit der Behandlung als die Hündin auf dem Behandlungstisch in die Höhe gefahren wird. Das Schmerzmittel und die Behandlung mit Kamillentee haben nicht angeschlagen, berichtet Josis Frauchen.

Die Hündin bekommt eine Kanüle gelegt. Zur Unterstützung kommt nun auch die praxisleitende Tierärztin, Dr. med. vet. Veronika Tholen, dazu. „Bei dieser Rasse lassen sich die Kanülen nur schwer legen, weil sie eine dicke Haut haben.“ An den Vorderläufen wird Fell mit dem Rasierapparat entfernt und die Nadel gesetzt. Josi lässt die Prozedur – sichtlich geschwächt von den Strapazen der letzten Tage – ruhig über sich ergehen. „Wir behalten sie zur Überwachung erst einmal hier “, sagt Veronika Tholen.

Alles Praxisalltag für die Tierärztin, die seit 27 Jahren ihre Kleintierpraxis in Friesoythe an der Thüler Straße betreibt. Über den Kontakt zu den Tieren auf dem elterlichen Hof kam Veronika Tholen zu ihren Traumberuf. „Schon früher habe ich dem Tierarzt geholfen, wenn er auf unserem Hof zu tun hatte.“ Nach dem Abitur folgten sechs Jahre Studium der Tiermedizin. Heute beschäftigt sie in ihrer Praxis zehn Mitarbeiterinnen.

„Es gibt kaum noch männliche Tierärzte. Knapp 98 Prozent der Studienabsolventen in Tiermedizin sind Frauen“, weiß Veronika Tholen. Es seien auch überwiegend Mädchen, die sich für Praktika anmelden. Junge Mädchen kommen über die eigenen Tiere oft besser in den Kontakt mit den Tierärzten, so Tholens Erklärung für den hohen Anteil an Frauen in ihrem Beruf.


Während Veronika Tholen Josi die nötigen Medikamente verabreicht, wartet im Nebenraum auf Merlind Funck bereits der nächste Patient. Ein 14-jähriger Schäferhundrüde hat Probleme mit dem Laufen und zieht seine beiden Hinterläufe schleppend hinter sich her. „In der letzten Zeit ist es beständig schlechter geworden“, sagt sein Herrchen.

Dem Mann steht eine schwere Entscheidung bevor. „Was wollen sie machen? Ihr Hund hat wahnsinnige Schmerzen. Wir können weiterhin alles versuchen, aber die Situation wird täglich schlechter. Die Entscheidung liegt bei ihnen“, sagt Merlind Funck. Auch wenn die Chancen auf eine Verbesserung des gesundheitlichen Zustands nicht hoch sind, entscheidet sich der Mann nach kurzem Überlegen für das Röntgen. Doch auch diese Maßnahme bringt nicht den gewünschten Erfolg – anschließend muss der Schäferhund eingeschläfert werden. Auch solche Entscheidungen gehören zum Praxisalltag bei Dr. Veronika Tholen.

Doch an diesem Tag gibt es auch erfreuliches zu berichten. Die sechsjährige Rhodesian-Ridgeback-Hündin Mojo ist schwanger. Mitte August sollen die Welpen zur Welt kommen. Damit der erfolgreichen Geburt nichts im Wege steht, bekommt Mojo eine Impfung.

Lars Puchler
Lars Puchler Redaktion Lokalsport Ammerland