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Hilfe für verängstigte Vierbeiner

Felix Frerichs

Nordenham - Eine dunkle Nische zwischen dem Wohnzimmerschrank und der Hauswand war in den ersten Wochen das Versteck von Maggie. Nie wagte sich die Mischlingshündin hervor. „Sie lag den ganzen

Tag in dieser dunklen Ecke“, erinnert sich Sarah Grund. Zusammen mit ihrem Mann Marcel holte sie den Schäferhund-Mischling vor einem Jahr aus einem Tierheim. Und rettete ihm das Leben.

Auf der nördlichen Seite der Gateteiche hat sich an diesem Nachmittag eine illustre Gruppe versammelt: Hundehalter und ihre Tiere. Drei kleine Welpen tollen im Gras, die anderen Hunde bekommen Anweisungen von ihren Herrchen. Etwas abseits sitzt Maggie mit ihrem Frauchen. Die Hündin wirkt immer noch schüchtern, aber nicht mehr ängstlich. Dafür hat Markus Gerdes-Brinkmann gesorgt. Der 41-jährige Hundetrainer hatte als erster einen Zugang zu dem verängstigten Tier. Maggie ist anders als die anderen Hunde. Ihr fehlt ein halbes Ohr. Sie wurde misshandelt, dort wo sie herkommt.

Aus Tötungsstation

„Maggie kommt aus einer Tötungsstation in Bulgarien“, erzählt Markus Gerdes-Brinkmann. In solche Stationen werden in Bulgarien Straßenhunde gebracht, damit sie dort getötet werden. Aber Maggie entkam der Hundehölle. Tierschutzaktivisten befreiten sie zusammen mit ein paar weiteren Tieren. So kam der Hund nach Deutschland, gezeichnet von seinen Qualen in der bulgarischen Tötungsstation. Bei Ebay stieß das Nordenhammer Ehepaar Sarah und Marcel Grund auf den Hund. Sie wandten sich an Markus Gerdes-Brinkmann, der seit 2005 eine mobile Hundeschule betreibt. Dreimal pro Woche trifft er sich mit Frauchen, Herrchen und Hunden an den Gateteichen oder anderen öffentlichen Plätzen.

Kein Carré-Gehorsam

„Ich halte nicht soviel von Hundeplätzen“, sagt der Hundetrainer. Carré-Gehorsam, wie er sagt, können die Hundehalter nicht gebrauchen. Die Tiere müssen schließlich im Alltag „funktionieren“. Und nicht auf einem abgelegenen Hundeplatz. Markus Gerdes-Brinkmann ist gelernter Medienkaufmann und Hobbymusiker. Der gebürtige Nordenhamer kehrte seinem ursprünglichen Beruf den Rücken und wandte sich den Tieren zu. Er wollte wissen, wie Hunde leben. „Dieses Wissen findet man nicht in Büchern“, sagt er. Er machte einen ungewöhnlichen Schritt: Er flog nach Griechenland und lebte dort mit einem Rudel Straßenhunde. Es funktionierte. „Ich wurde fest in das Rudel integriert. Nachts schliefen wir zusammen am Strand.“ So bekam er einen besonderen Zugang zu Vierbeinern.

Der Leiter der Fressnapf-Filiale hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Mit der mobilen Hundeschule hilft er auch schweren Fällen wie Maggie. Manchmal, gibt Markus Gerdes-Brinkmann zu, sei es auch mehr eine „Hundehalter-Schule“. Er lacht. „Alleine hätten wir das nicht geschafft“, sagt Sarah Grund und streichelt ihre scheue Hündin. Seit einiger Zeit blüht Maggie förmlich auf. Wenn eine Hand sie streicheln will, weicht sie nicht mehr reflexartig zurück. Aus Angst, sie wird geschlagen.

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