Cleverns/Friesland - Waschen, kochen, bügeln, sich um die Kinder kümmern: In Familien, in denen es Probleme gibt und die Haushaltsführung brach liegt, weil Mutter oder Vater schwer erkrankt sind, kann die Dorfhelferin zum Einsatz kommen. „Über die gesetzliche Krankenversicherung können Familien mit Kindern bis zwölf Jahren in einer akuten Notlage für eine gewisse Zeit die Hilfe einer Dorfhelferin in Anspruch nehmen“, sagt Anja Melchers aus Cleverns. Sie gehört zum Vorstand des Kuratoriums für Dorfhelferinnen Friesland-Wittmund.

Der Begriff „Dorfhelferin“ wurde durch das Dorfhelferinnenwerk geprägt. Heute sind Dorfhelferinnen auch als Betriebshelferinnen und Familienpflegerinnen im Einsatz und leisten auch Verhinderungspflege, pflegen also Menschen zu Hause, damit sie nicht ins Pflegeheim müssen.

In Niedersachsen sind mittlerweile 150 Dorfhelferinnen im Einsatz. Dorfhelferinnen sind die Retterinnen in der Not. Sie sind die „Seele des Haushalts“ auf Zeit, die in Notsituationen die Hauswirtschaft versorgen, die Menschen betreuen und begleiten.

Dass neben Alten-, Kranken- und Säuglingspflege auch Recht, Psychologie und Gesprächsführung zur Ausbildung gehören, zeigt, wie vielschichtig und wie hoch die Anforderungen an diese Tätigkeit sind. Und nicht nur das: Dorfhelferinnen können auch Aufgaben in landwirtschaftlichen Betrieben übernehmen wie Melken der Kühe oder Hilfe bei der Ernte. Deshalb werden sie besonders in ländlichen Regionen eingesetzt.

Wie bei anderen Haushaltshilfen, die von den Krankenkassen finanziert werden, muss ein entsprechender Antrag gestellt werden. Familien mit drei Kindern unter zwölf Jahren bzw. landwirtschaftliche Familien mit zwei Kindern unter zwölf Jahren haben einen gesetzlichen Anspruch auf Hilfe, wenn die Frau und Mutter krank ist oder stationär behandelt werden muss.

Die Krankenversicherung genehmigt und entscheidet auch über die Anzahl der Stunden, die individuell nach Erkrankung, Kinderzahl und Aufgabengebiet festgelegt wird. Die Dorfhelferin regelt dann von einigen Tagen bis zu mehreren Wochen das Familienmanagement als professionelle Haushaltshilfe und passt sich mit ihren pädagogischen, pflegerischen und hauswirtschaftlichen Fähigkeiten flexibel den Gewohnheiten der jeweiligen Familien an.


Seit 1961 gibt es die Dorfhelferinnen-Station Friesland-Wittmund, deren Kuratorium Imke Janssen (Esens, Vorsitzende), Anja Melchers (Cleverns, stelllvertretende Vorsitzende) und Ina Christians (Wittmund, stellvertretende Vorsitzende) angehören.

Die Dorfhelferinnen Antje Weerda und Hannah Schulte haben eine fünfjährige Ausbildung absolviert und sind qualifiziert für den Haushalt und sind beim Evangelischen Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen angestellt sind.