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Seefahrt Hilfsbereitschaft macht Seeleuten Mut

Wilhelmshaven - Begleitet von zwei Schleppern nähert sich der Frachter „Maersk Vancouver“ am frühen Nachmittag der Küste Wilhelmshavens. Lediglich drei Besatzungsmitglieder sind kurz von Weitem zu erkennen, bevor sie sich wieder ins Innere des Schiffes zurückziehen. „Die Stimmung der Besatzung hat sich seit gestern Mittag schlagartig geändert, als sie erfuhren, dass es endlich wieder an Land geht“, erklärt Hans-Werner Monsees, Leiter des Havariekommandos, während er vom Schlepper „Bär Bremen“ aus den 180 Meter langen Frachter begleitet. Mit an Bord: ein Tross von Kameraleuten und Journalisten. Der Frachter ist das letzte von drei Schiffen, die seit Wochen nördlich von Wangerooge hilflos vor Anker lagen. Am Donnerstag liefen bereits die „Maersk Vigo“ und die „Maersk Valetta“ den Hafen der Jadestadt an.

Psychische Belastung

Frisches Obst und Gemüse seien die größten Wünsche der Männer gewesen, sagt Monsees. Wochenlang habe sich die Besatzung hauptsächlich von Konservenprodukten ernährt. „Sie waren froh, wieder am Leben teilhaben zu können.“ Der psychische Druck sei am Ende „ziemlich groß gewesen“. Für die insgesamt 41 Besatzungsmitglieder enden fast sieben ungewisse Wochen auf See. Die Männer stammen aus der Ukraine, den Philippinen und Russland. Anfangs seien die Seeleute ihnen mit Misstrauen begegnet, sagt Monsees. „Sie haben nicht geglaubt, dass wir ihnen wirklich helfen wollen.“

Die drei Frachter eines marokkanischen Besitzers hatten ohne Frachtaufträge festgelegen, weil die Reederei zahlungsunfähig sein soll. Der Hilferuf eines Kapitäns alarmierte vor wenigen Tagen das Havarie-Kommando in Cuxhaven. Der Treibstoff an Bord ging aus und die Stromversorgung drohte zusammenzubrechen.

„Uns war wichtig, dass alle drei Schiffe gemeinsam in einen Hafen kommen, damit die Besatzung zusammenbleibt und nicht auseinander gerissen wird“, sagt Monsees. Diese Woche erhielten alle drei Frachter die Genehmigung, Wilhelmshaven anzulaufen. Hier werden sie vorerst an die Kette gelegt. Die Zusammenarbeit dem Wilhelmshavener Hafenkapitän Lutz Wilhelm und den zuständigen Behörden habe „hervorragend funktioniert.“

Gut 10 000 Euro fallen pro Tag und Schiff an, sagt der Leiter des Havariekommandos, das die Kosten der Versorgung trägt. Trotz zahlreicher Kontaktversuche, habe weder das Havariekommando noch die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) eine Reaktion des Eigners erhalten, so Monsees. Um die Besatzung seiner Schiffe kümmerte er sich nicht.

Löhne einklagen

Nun gelte es, eine schnelle finanzielle Lösung zu finden, erklärt Susan Linderkamp, Inspektorin der ITF. Sie betreut die Besatzung. „Noch heute werden wir auf alle drei Schiffe gehen und die notwendigen Dokumente zusammentragen.“ Vor dem Arbeitsgericht Wilhelmshaven wolle die ITF die ausstehenden Heuern einklagen, sagt sie. Rund 340 000 US-Dollar, umgerechnet mehr als 200 000 Euro stehen ihr zufolge aus. „Die Seefahrer werden definitiv mit Geld nach Hause gehen“, sagt Susan Linderkamp. Die Frachter durften den Liegeplatz nicht verlassen, weil ihre Sicherheitszertifikate an Bord nicht mehr gültig waren.

Für die Männer sei es eine schwierige Situation, vorerst nicht in ihr Heimatland reisen zu können, sagt die Inspektorin. Doch um ihre Forderungen geltend zu machen, sei der Aufenthalt vor Ort wichtig. Zugleich habe sie die Erleichterung gespürt, als die Männer nach fast sieben Wochen wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Viele von ihnen suchten sofort die Seemannsmission auf, um dort mit ihren Familien zu telefonieren. Andere seien in die Stadt gegangen oder hätten das Kino besucht. Jeder von ihnen erhielt ein Begrüßungsgeld von 100 Euro.

„Wochenlang haben die Seeleute ohne Perspektive verbracht“, sagt Jürgen Maly, Rechtsanwalt der ITF. Es sei beschämend, wie mit den Männern umgegangen worden sei. Enttäuscht zeigt er sich auch von der Maersk-Line, die seiner Meinung nach früher hätte eingreifen müssen. Sechs Jahre charterte Maersk die Containerfrachter, bis der Vertrag Anfang Juli auslief. Maly ist zuversichtlich, dass die Schiffe bald wieder fahren werden. Mehrere Kaufinteressenten aus Deutschland und Frankreich hätten sich bereits gemeldet. Die zwölf Jahre alten Frachter seien in einem Top-Zustand und in Deutschland gebaut.

Große Hilfsbereitschaft

Als gegen 13.30 Uhr am Freitag die „Maersk Vancouver“ an der Niedersachsenbrücke festmacht, geht auch für Hans-Werner Monsees der Einsatz zu Ende. „So heile Schiffe haben wir noch nie an Land gebracht“, sagt er schmunzelnd. Besonders die öffentliche Hilfsbereitschaft an Spenden mache den Seeleuten Mut, ihre Situation zu meistern. Nun, so sagt Monsees, sollen die Männer zur Ruhe kommen.

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