Nürnberg/Zirndorf - Kosmetik, Tee, Bier, Leckerlis für Hunde oder Erotikartikel – fast jede Branche mischt inzwischen im Adventskalender-Geschäft mit. Ab diesen Dienstag werden wieder fleißig die Türchen geöffnet. Und längst ist der Countdown bis Heiligabend nicht mehr eine reine Kindersache. Waren es vor zehn Jahren nur eine Handvoll Kalendermodelle, gibt es inzwischen fast keinen namhaften Markenanbieter mehr, der keinen Adventskalender im Sortiment hat. Mit den Pappaufstellern lässt sich nämlich Geld verdienen.

22 Millionen verkaufte Adventskalender hat das Marktforschungsunternehmen Npdgroup 2014 in Deutschland gezählt, was zeige, dass das Geschäft sich längst nicht mehr nur auf Kinder konzentriert. „Viele Kalender werden – anders als noch vor zehn Jahren – von Erwachsenen an Erwachsene verschenkt“, sagt Solveig Schneider vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie.

Produkte mit Zartbitter-Täfelchen, weißer Schokolade oder Alkoholpralinen zielen auf die Schleckermäuler unter den Älteren. Ein Trend in diesem Jahr ist der Einsatz nachhaltig produzierter Schokolade für die 24 Fächer. Außerdem wird gern zu mit Markenprodukten gefüllten Kalendern gegriffen.

Auch die Spielwarenhersteller profitieren von dem Geschäft. Schätzungen des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie aus dem Jahr 2013 zufolge verdienten sie mit zwei Millionen verkauften Adventskalendern knapp 30 Millionen Euro. Immerhin rund fünf Prozent des Novembergeschäfts machte der Spielwaren-Einzelhandel mit den Kalendern. „Das Geschäft mit Adventskalendern hat sich in den vergangenen Jahren generell sehr positiv entwickelt“, sagt eine Sprecherin des fränkischen Spielwarenherstellers Simba Dickie.

Als erster Spielartikler hatte Playmobil die Sparte vor knapp zwanzig Jahren für sich entdeckt, 2004 zog Lego nach. In diesem Jahr gibt es allein von Playmobil sechs verschiedene Kalender mit unterschiedlichen Themen. Die Entwicklung nehme in etwa zwei bis drei Jahre in Anspruch, heißt es vom Hersteller aus dem fränkischen Zirndorf. „Die Adventskalender sind sicherlich so erfolgreich, weil hinter den 24 Türchen ein hoher Spielwert steckt“, sagt Playmobil-Sprecherin Anna Ermann.

Die Kalender sind nicht nur in Deutschland ein Erfolgsmodell, sondern werden auch zum Exportschlager. Simba Dickie verkauft in Großbritannien und Frankreich Exemplare, Playmobil-Kalender sind auch in Spanien, den Beneluxstaaten, in Australien, Mauritius, Hongkong und Singapur zu haben. „Das Thema entwickelt sich international, was doch sehr überraschend ist, da in diesen Ländern die Tradition eines Adventskalenders nicht existiert“, erklärt Simba Dickie.


Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert das Geschäft: „Das Prinzip ist, dass die Produkte, die man das ganze Jahr über kaufen kann, da reingesteckt und zum doppelten Preis verkauft werden.“ Bei einem Test von Süßwaren-Kalendern aus dem Jahr 2013 kam heraus, dass diese bis zu viermal so teuer seien wie die einzelnen Süßwaren im Grundpreis.

Der Grundpreisvergleich sei irreführend, sagt dagegen der Süßwarenverband. Ein Adventskalender oder der Nikolaus aus Schokolade könnte beim Herstellungsaufwand nicht mit dem Preis einer Tafel Schokolade verglichen werden.