Ganderkesee - „Arp-Schnitger-Platz zum Fest fertig“, titelte die NWZ am Nikolaustag 2012 – wenige Tage vor dem Weihnachtsfest. Tatsächlich zogen sich die Bauarbeiten – wie berichtet – bis zum Sommer diesen Jahres hin. Nun glänzt die „gute Stube“ des Ortes mit rotem Klinker und neuer Beleuchtung. Doch ist der Platz fertig? Nein! Zwei kreisförmige Baukörper – jeweils etwa 1,20 Meter hoch und mit einem Durchmesser von 2,50 Metern – auf der Ostseite sind „unvollendet“.
Bereits bei der Vorstellung des Konzepts im Fachausschuss sorgten die Rotunden für Gesprächsstoff: CDU-Fraktionschef Dietmar Mietrach empfand den Standort vor der St. Cyprian- und Corneliuskirche als „unglücklich“. Andere wiederum waren um die Sicherheit der Passanten besorgt. Und aktuell sorgen die Klinkerknubbel für Diskussionen im Internet: Gemutmaßt wird, es handele sich um „Irrgärten“ oder „Mini-Bunker“. Wegen der Nähe zur Kirche spricht ein Facebook-Nutzer sogar von „Beichtkreisel“. „Wenn man da nicht ins Rotieren kommt“, schreibt ein Nutzer der Plattform „Du kommst aus Ganderkesee, wenn. . .“.
Die NWZ hat bei der Gemeindeverwaltung nachgefragt: Bei den Rotunden, gemauert aus alten Klinkersteinen der Umgebung, handelt es sich um so genannte Straßengalerien. Carsten Wünker vom Fachbereich Gemeindeentwicklung im Rathaus hatte ähnliche Sockel bei einem Besuch in Mailand entdeckt und die Idee bereits im Jahr 2002 eingebracht. Auf dem Klinker-Unterbau sollen Metalltafeln, so genannte Alu-Dibond-Platten, mit historischen Bildern und erläuternden Texten angebracht werden, sagte Gemeindesprecher Hauke Gruhn am Mittwoch. Ziel sei es, die jüngere Historie des Ortes zu dokumentieren und allen Interessierten öffentlich zugänglich zu machen.
Der Orts- und Heimatverein (OHV) Ganderkesee, der Verein Gantermarkt und die Gemeinde haben das Konzept gemeinsam entwickelt und mit Hilfe sachkundiger Bürger viele historische Bilder zusammengetragen. Schwerpunktthema sei die Ortsentwicklung. So werden auf den Alu-Dibond-Platten viele alte Gaststätten oder die Entwicklung entlang der Bahnlinie zu sehen sein. Die Fotos des Orts- und Heimatvereins zeigen unter anderem das Alte Rathaus aus dem Jahr 1960, eine Dampflok unter der Urneburger Brücke aus 1920 und Bauarbeiten auf der heutigen Bahnhofstraße im Jahr 1934. Gruhn zufolge stammt das älteste Foto aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Straßengalerien gehören zum Grundkonzept des neu gestalteten Arp-Schnitger-Platzes. So gebe es auch einen Hinweis auf die benachbarte St. Cyprian- und Corneliuskirche mit der weltberühmten Orgel. Wann die Alu-Dibond-Platten mit den Bildern auf den Rotunden angebrachten werden, sei derzeit allerdings noch offen.
