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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Sammlungen: Geschichtsstunde mit Wertpapieren

25.07.2017

Wolfenbüttel /Nordenham Andreas Wedelich nimmt eine rund hundert Jahre alte Aktie aus der Schutzhülle, schaut sich die Illustration darauf an und riecht am alten Papier. „Man muss mal schnuppern, den Duft des Geldes riechen.“ Mit dem Film „Wall Street“ begann 1988 für Andreas Wedelich aus Nordenham die Begeisterung für Aktien. „Als Jugendlicher habe ich schon damit gehandelt, das war ein Hype zu der Zeit“, erinnert sich der 52-Jährige. 1992 bekam er von Freunden ein historisches Wertpapier als Geschenk. Der Beginn einer Sammelbegeisterung.

Bevor der Aktienmarkt elektronisch und über Computer stattfand, regierte noch das Papier. „Früher hat man die Aktie mit nach Hause genommen, hat Dividendencoupons ausgeschnitten und die jedes Jahr eingereicht.“ Mehrere Sammelordner türmen sich heute auf Wedelichs Gartentisch. Zuerst versuchte er, alle Aktien zu sammeln, die es in Nordenham gab. „Das ist überschaubar, ich habe fast alle zusammen. Dann habe ich einen eigenen Handel aufgebaut.“

Aktienhandel ohne Blase

Es gibt quasi einen Aktienmarkt für Aktien, die keine mehr sind. Seit 30 Jahren handelt etwa die „Aktiengesellschaft für historische Wertpapiere“ mit den alten Anlagescheinen. Der Bestand der Firma umfasst mehrere Tausend Wertpapiere aus vielen Epochen der Geschichte und auch der neuen Zeit. „Den Bremer Vulkan haben wir massenweise in unserem Bestand“, erklärt Vorstand und Gründer Jörg Benecke. Die sei nur noch ein Sammlerobjekt, da die Firma ja „krachend gegen die Wand gefahren wurde“.

Midgard, Metallwerke Unterweser, Norddeutsche Seekabelwerke oder Norddeutscher Lloyd – in Andreas Wedelichs Sammlung finden sich Schätze aus der indus­triellen Geschichte Nordenhams. „Die Seekabelwerke sind sehr selten. Danach habe ich Jahre gesucht.“ Dabei fragte er auch bei Firmen nach – mal ging er mit dem gewünschten Wertpapier, mal mit leeren Händen.

Rund 100 000 Aktiengesellschaften soll es in den 1920er Jahren gegeben haben. „Quasi jeder Fleischerladen war eine. Damit dachte man auch, die Inflation schlagen zu können“, erläutert Händler Jörg Benecke. Die alten Wertpapiere seien lokale Schatzgruben. Im Fundus des nach eigenen Angaben größten deutschen Händlers findet sich eine Aktie der Elsflether Werft von 1928 oder eine Schuldverschreibung der Staatlichen Kreditanstalt des Herzogtums Oldenburg von 1911.

Heute konzentriert sich der Nordenhamer Andreas Wedelich auf Eisenbahnaktien aus den USA. „Es gab im 19. Jahrhundert Tausende Bahngesellschaften. Jede kleine Strecke wurde über Aktien finanziert.“ Dabei schaut der Sammler auf kleine Details, nicht nur die teils wundervollen Kupferstiche. Die zeigen Eisenbahnen, Hafenszenen oder sogar Gefechte mit Indianern. „Damals haben dort auch viele Frauen Aktien besessen“, weiß er anhand der Unterschriften auf den Wertpapieren. Außerdem könne er die Entwicklung von Unterschriften nachvollziehen, wenn ein Geschäftsführer lange im Amt war. „Der hier war entweder sehr alt oder er hatte Parkinson“, vermutet er und zeigt auf eine zittrige Unterschrift.

Goethes Unterschrift

Das teuerste deutsche Papier ging für 100 000 Euro über den Auktionstisch. „Der Goethe-Kux von 1785, ein Bergwerksanteil“, erinnert sich Verkäufer Jörg Benecke. Als Bergbauminister in Weimar habe Johann Wolfgang von Goethe selbst den Schein unterzeichnet. „Die Berühmtheit des Unterzeichners, das hohe Alter und dann ist es noch seltener als die Blaue Mauritius – daraus ergibt sich der hohe Wert.“

Grundsätzlich seien historische Wertpapiere als Anlageobjekt ungeeignet. „Nur mein Gemüsegarten ist wirklich was wert, weil der mich im Ernstfall auch ernähren kann. Alte Wertpapiere braucht kein Mensch zum Leben.“ Um einen Mehrwert zu bekommen, müsse in Zukunft jemand bereit sein, noch mehr dafür zu zahlen. „Und das kann keiner garantieren.“

Der Bestseller der Aktiengesellschaft für historische Wertpapiere ist dem Eigentümer ein wenig peinlich. „Aus dekorativen Gründen geht die Beate Uhse AG gut. Das ist eine gültige Aktie für kleines Geld“, findet Benecke. Die schlüpfrige Illustration der Aktie habe viele Freunde.

Auch Andreas Wedelich besitzt noch eine gültige Aktie auf Papier – von Harley Davidson. „Ich bin Aktionär seit 1997.“ Aktien auf Papier seien aus gutem Grund aus dem regulären Zahlungsverkehr verschwunden. Der Motorradbauer informiere ihn per Post über wichtige Änderungen, schicke auch mal Poster und so gebe es Briefverkehr mit jedem Kleinaktionär. „Was für eine Arbeit für einen so kleinen Anteil am Unternehmen!“


     www.aktiensammler.de 
Sascha Sebastian Rühl Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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