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Konzerne Historisches Bild bei Tönnies

Carsten Linnhoff

Rheda-Wiedenbrück - Die Farbe Schwarz dominiert. Die Ehefrauen von Clemens und Robert Tönnies begleiten ihre Männer in eleganter Kleidung in die Firmenzentrale im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück.

Die Familie will Einigkeit demonstrieren. Nach fast sechs Jahren juristischer Streitereien vor Gerichten meldet Clemens Tönnies am Freitag einen Friedensvertrag zwischen den Familienstämmen: Deutschlands größer Schlachtbetrieb soll ab sofort in neuer Struktur und ohne Zwist zwischen den Gesellschaftern geführt werden.

Das Unternehmen ist auch in Weser-Ems (u.a. Sögel) sehr aktiv. Der Konzernumsatz mit 12 500 Angestellten hatte zuletzt 6,35 Mrd. Euro erreicht.

„Das ist heute ein guter Tag. Wir haben gestern die Tinte trocken bekommen“, sagt Clemens Tönnies. Weit vor dem Spiel seiner Schalker am Donnerstagabend hatten die Familien Tönnies in Düsseldorf beim Notar gesessen und mit ihren Unterschriften besiegelt, was in monatelangen Verhandlungen zwischen den Vertrauten der Streitparteien verhandelt wurde – außergerichtlich. Trotz des Ausscheidens im Viertelfinale der Europa-League wirkte der Schalker Aufsichtsratschef am Morgen danach entsprechend locker und gelöst.

Beirat entscheidet mit

Und das ist geplant: In Zukunft führt eine Familien-Holding mit vier Managern an der Spitze das Unternehmen. Kontrolliert wird das Kon­strukt von einem siebenköpfigen Beirat. In den wird Robert als Gesellschafter einziehen, ebenso sein Onkel Clemens. Bei Pattsituationen in der Holding wird dieser Beirat eine Entscheidung bei strategischen Fragen herbeiführen. Robert lässt aktuell noch offen, ob er auch einen der Managerposten für sich persönlich in der Holding beansprucht. Entsprechend seinem Gesellschafteranteil von 50 Prozent darf er zwei von vier Posten besetzen.


Zu Beginn der Pressekonferenz, bei der Clemens (60), sein Neffe Robert (38) sowie sein Sohn Maximilian (26) die Einigung vorstellten, war der Schulterschluss zwischen den beiden Streithähnen noch nicht so eng. Beim Posieren für die Fotografen passte noch mehr als ein Blatt Papier zwischen die beiden. Vater und Sohn standen dagegen wie eine Einheit zusammen.

Jahrelang hatten sich die Familienstämme um die Vorherrschaft in Deutschlands größtem Fleischbetrieb gestritten. Der Streit vor dem Landgericht Bielefeld und dem Oberlandesgericht in Hamm drehte sich um die Macht im Konzern – um Gesellschafteranteile und Stimmrechte, aber auch um Steuerberater, Notare und Testamentsvollstrecker.

Knoten durchschlagen

Drei Jahre später ist bei Tönnies der Knoten jetzt durchschlagen. Ausnahmslos alle Rechtsstreits seien beendet worden. Clemens Tönnies bezeichnete die vergangenen sechs Jahre als Zeit voller Misstrauen und Differenzen. „Das hat wehgetan“, sagte der 60-Jährige. Bei der Schlichtung gebe es keine Verlierer.

Robert bedankte sich aber ausdrücklich bei seinem Onkel für die geleistete Arbeit: „Zusammen mit der Geschäftsleitung hast Du das Unternehmen nach vorne gebracht.“ Vor Kurzem hatte sich das anders angehört.

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