Benthullen - „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, keine Angst, keine Angst, Herr Kapitän“. Stimmgewaltig und wortmächtig legt der Shantychor Benthullen-Harbern los. Die Reihen vor ihnen sind gut gefüllt, viele Augenpaare auf sie gerichtet, die Stimmung bei Kaffee, Pils und Kuchen glänzend.

Man kann sagen: Genau die richtige Kulisse für das Jubiläumskonzert des Shantychores, der an diesem Pfingstsonntag beim Pfingstspaß im Moor in Benthullen sein 30-jähriges Bestehen feierte. Dabei schienen die Sänger auf der Bühne nicht nur stets die richtigen Töne zu treffen, sondern auch die richtigen Worte zu finden. Denn nicht erschüttern ließ sich nicht nur so mancher Seemann, sondern auch das Gros der Besucher zeigte sich von den Unwetterwarnungen unbeeindruckt. So herrschte von morgens bis abends ein reges Treiben auf dem Museumsgelände.

Während im vorderen Bereich eindeutig das leibliche Wohl im Vordergrund stand, dominierte im hinteren Bereich des Geländes das Handwerk. Viele Anbieter zeigten an den zahlreichen Ständen ihr Können. Dabei war nicht nur Zuschauen angesagt, sondern vor allem Mitmachen. Das ließen sich insbesondere die jüngeren Besucher nicht zweimal sagen und begannen, selbst am Schmiedeofen die Glut zu schüren und Glückshufeisen herzustellen.

Auch beim „Taudreiher“ galt es, selbst Hand anzulegen und auf diese Weise sein eigenes Springseil herzustellen. Inspirationen zum Nachmachen gab es zudem bei der Ammerländer Kerzenmanufaktur, an deren Stand die Kinder selbst Kerzen ziehen konnten und dabei einige farbenprächtige Meisterwerke zustande brachten.

Auch weitere alte Handwerkskünste wurden vorgestellt: So ließen zwei Spinnerinnen ihre Räder rotieren, ein Stellmacher erklärte, wie in alter Zeit Holzräder und Kutschen gebaut wurden und auch Besenbinder und Korbflechter waren zu finden. Laut wurde es derweil am Stand von Dieter Zimmermann. Dieser hatte aus dem ostfriesischen Strackholt einen Anhänger mitgebracht, vollgestopft mit historischen Maschinen. Vom Rad zum Scherenschleifen über die alte Kornmühle bis zum Lastenaufzug war alles dabei. „Ein Hobby von mir“, erklärte Zimmermann, „es hat mich Jahre gekostet, all die Maschinen zusammenzubekommen.“


Mittlerweile haben die ersten Regenschauer eingesetzt, doch auch davon lassen sich die Besucher nicht erschüttern. Im hinteren Teil drehen einige Kinder weiter ihre Runden mit einem alten Fendt-Traktor, auch die Torwand ist weiterhin gut besucht.

Und auch im Eingangsbereich wird an den langen Tischen unter dem Zeltdach einfach weiter zusammengerückt. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, schallt es wieder von vorne. „Uns auch nicht“, sagt eine ältere Besucherin und beißt in ihr Stück Kuchen.