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Straßenverkehr Hoch stehendes Reet behindert die Sicht

Detlef Glückselig

Butjadingen - Nicht zuletzt der tragische Unfall in Mürrwarden, bei dem am 25. Oktober zwei Jugendliche ums Leben kamen, hat in Butjadingen eine Diskussion über das Reet an den Straßenrändern ausgelöst – es beeinträchtigt die Sicht von Autofahrern. Bei der letzten Sitzung des alten Gemeinderats war das Thema zur Sprache gekommen. Doch das Reet regelmäßig zurückzuschneiden, ist leichter gesagt als getan. Und die Polizei ist ohnehin skeptisch.

Wildunfälle reduzieren

In der Ratssitzung Ende Oktober war es der inzwischen ausgeschiedene CDU-Ratsherr Burchard Oetken gewesen, der das Thema angesprochen hatte. Würde das Reet regelmäßig gemäht werden, würde es auch zu weniger Wildunfällen kommen, hatte er argumentiert.

Renke Hessenius, Sprecher der Ortsfeuerwehr Tossens, glaubt, dass das hoch gewachsene Reet an den Straßen eine Sichtbehinderung und damit auch eine Gefahrenquelle für Autofahrer darstellt. Allerdings würde er daraus kein generelles Plädoyer dafür ableiten, dass das Reet regelmäßig gemäht wird.

Und damit liegt Renke Hessenius haargenau auf einer Linie mit Daniel Schönig und Franziska Heich von der Polizeistation in Burhave. Auch sie sagen, dass das Reet an vielen Stellen in Butjadingen eine Sichtbehinderung darstellt. Aber: Würde man diese Sichtbehinderung beseitigen, könnte das Autofahrer dazu verleiten, zu überholen, obwohl andere Faktoren wie etwa die Wetter- oder die Straßenverhältnisse das gar nicht zulassen. Dann würde das Ausmerzen einer Gefahr nur andere nach sich ziehen, so Franziska Heich und Daniel Schönig. Generell sollte nach dem Rat der Polizisten der Grundsatz gelten: Wenn die Sicht nicht gut ist oder andere Faktoren es nicht zulassen, dann sollte man auch kein Überholmanöver riskieren.

Eine Chance dafür, dass das Reet regelmäßig gemäht wird, sehen die Gemeinde wie auch die Straßenmeisterei ohnehin nicht. Die Gemeinde lässt laut Bauamtsleiter Axel Linneweber an den Gemeindestraßen und Wirtschaftswegen zwei Mal jährlich, nämlich immer im Frühjahr und im Herbst, die Bermen mähen. Das Reet bleibt dabei aber weitgehend stehen. Und das sei auch nicht anders möglich, so Axel Linneweber.


„Wer soll das bezahlen?“

Allein das Wirtschaftswege-Netz, das sich durch Butjadingen zieht, ist 130 Kilometer lang. Wollte man das schnell wachsende Reet das gesamte Jahr über kurz halten, müsste mindestens alle acht Wochen gemäht werden. „Wer soll das bezahlen?“, fragt der Leiter des Bauamts. Außerdem stelle jeweils die Grabenmitte eine Grundstücksgrenze dar. Eingebunden werden müssten in jede Rückschnitt-Aktion somit auch die Landeigentümer – und das, so Axel Linneweber, würde einen gewaltigen Aufwand bedeuten.

Der Bauamtsleiter nennt noch ein weiteres Argument: Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet mit Rücksicht auf den Artenschutz den Rückschnitt von Röhricht, zu dem auch Reet gehört, in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September. Auch außerhalb dieser Schutzzeit dürfe nur in Abschnitten zurückgeschnitten werden. Der Gemeinde seien somit schon aus dieser Warte die Hände gebunden.

Für die Landes- und Kreisstraßen in Butjadingen ist die Straßenmeisterei in Nordenham zuständig. Und auch deren Leiter Alfred Giesmann sieht keine Chance dafür, das Reet an den Fahrbahnen das gesamte Jahr über regelmäßig zu mähen – wegen der naturschutzrechtlichen Bestimmungen, aber auch wegen des gewaltigen Aufwands und der damit verbundenen Kosten.

Die Straßenmeisterei mäht das Reet laut Alfred Giesmann nach Vorgaben des Landes. Und die sehen für den sogenannten intensiven Bereich, der jeweils an den Leitpfählen oder -planken endet, einen Rückschnitt zwei Mal pro Jahr vor. „In Kurven und Einmündungsbereichen mähen wir auch ein bis zwei Mal mehr“, so Alfred Giesmann. Den gesamten Graben, in dem das Reet steht, erfassen die Maschinen der Straßenmeisterei dabei jedoch nicht.

Die Gräben reinigt die Straßenmeisterei zwar regelmäßig im Herbst auf – aber längst nicht alle. Bei der Reinigung wird auch das Reet komplett entfernt. Aber Jahr für Jahr sind laut Alfred Giesmann nur bestimmte Grabenabschnitte an der Reihe. So sei es zu erklären, dass an vielen Stellen in Butjadingen auch in diesem Herbst das Reet noch immer hoch aufwächst.

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