Bremen/Nordenham/Wilhelmshaven - Mehr Erfindungsreichtum, weniger Pessimismus. Das ist kurz gefasst die Botschaft von Klaus Töpfer, dem Altmeister der Umwelt- und Energiepolitik, an die Offshore-Branche. Nicht nur die Energiewende in Deutschland brauche Windparks auf dem Meer, sie seien weltweit nötig, um den Energiehunger der wachsenden Weltbevölkerung zu befriedigen, ist der 75 Jahre alte frühere Umweltminister und Ex-Chef des UN-Umweltprogramms überzeugt.
Grund zur Klage gab es in der Branche viel, seitdem die politische Diskussion um steigende Energiepreise und eine Strompreisbremse losbrach. Milliardeninvestitionen wurden gestoppt, Arbeitsplätze in der gerade aufgebauten Industrie gingen verloren. Besonders bei den norddeutschen Regierungschefs machte sich die Angst breit, die ganze Branche, auf der so viel Hoffnung ruht, wieder zu verlieren.
Mit der Einigung auf eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes kehrt jetzt auch die Zuversicht zurück. „Planungssicherheit ist bei langfristigen Infrastrukturprojekten wie Offshore-Wind maßgeblich“, sagt die Deutschland-Geschäftsführerin von Dong Energy, Trine Borum Bojsen, am Rande des Kongresses Windforce 2014 in Bremen. „Die Stimmung scheint positiv zu sein“.
Zwar sind die Ausbauziele der Bundesregierung bescheidener als zuvor, aber immerhin sollen sich bis 2020 Windräder mit insgesamt 6500 Megawatt (MW) Leistung auf dem Meer drehen. Damit kann eine Strommenge erzeugt werden, die mehreren Atom- oder Kohlekraftwerken entspricht. Im Moment liefern vier Offshore-Windparks Strom für rund 600 000 Haushalte.
Allein beim dänischen Energiekonzern Dong gehe es aktuell um Investitionen von 3,5 Milliarden Euro für drei Windparks, sagt Borum Bojsen. Borkum Riffgrund 1 sei im Bau und werde voraussichtlich im Frühjahr 2015 in Betrieb gehen. Gode Wind 1 und Gode Wind 2 sollen 2016 fertiggestellt werden.
Der Geschäftsführer des Seekabelherstellers NSW aus Nordenham, Günther Schöffner, rechnet allerdings damit, dass viele Unternehmen mit ihren Investitionsentscheidungen bis zum Inkrafttreten des neuen EEG-Gesetzes voraussichtlich im August warten, es dann aber zu einer Wiederbelebung der Branche kommt.
Töpfer verweist ebenso wie der Geschäftsführer der Windenergie-Agentur (WAB), Ronny Meyer, auf die Lernkurve in der Branche. Die Anlagen werden mit aktuell bis zu sechs Megawatt immer größer, die Kosten pro Kilowattstunde Strom geringer. „Die Energiewende ist so etwas wie ein Jungbrunnen für Technologie geworden“, sagt Töpfer und widerspricht der These, erneuerbare Energien seien der entscheidende Preistreiber bei der Energieversorgung.
Rund 300 Aussteller präsentierten sich auf der Windforce. Frank Schnieder, Vertriebsmanager bei der Jade-Bay GmbH (Wilhelmshaven), die sich gemeinsam mit sechs regionalen Unternehmen in Bremen präsentierte, zog ein positives Fazit. Es habe ein reges Interesse der Fachbesucher an Produkten und Dienstleistungen der Standpartner gegeben und man habe sich intensiv über die Zukunft der Offshore-Windbranche austauschen können.
2015 wird die Windforce nur als Kongress in Bremerhaven veranstaltet, 2016 kehrt die Veranstaltung dann wieder mit angeschlossener Messe nach Bremen zurück.
