Friesland - Nach der Protestaktion ist vor der Protestaktion: Frieslands Landwirte wollen zwei Tage nach der Demonstration für faire Milchpreise in Jever an diesem Freitag mit einer 120-köpfigen Delegation an einer landesweiten Kundgebung in Hannover teilnehmen.
„Die Grenze der Belastbarkeit auf unseren Höfen ist erreicht und zum Teil überschritten“, so der Vorsitzende des Kreislandvolkverbands Friesland, Hartmut Seetzen. Miserable Erlöse sowie ideologisch geführte Diskussionen und immer neue Auflagen, Regelungen und Dokumentationspflichten erschwerten den Landwirten das Leben, sagt auch Carsten Dirks (Wangerland).
Die Landwirte wenden sich gegen das Verramschen ihrer Nahrungsmittel und kritisieren dafür besonders den Lebensmittelhandel, der mit Dauerniedrigpreisen zur Misere besonders der Milchbauern beiträgt. Nur noch 26 Cent erhalten die Landwirte für den Liter Milch. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Und doch werden einige Landwirte, besonders die reinen Grünlandbetreibe im Ammerland, diese ruinöse Preispolitik nicht überleben.
Bundesweit bestimmten acht Einkäufer der großen Lebensmittelkonzerne, die 80 Prozent aller Milcherzeugnisse aufkauften, wo es preislich langgeht, so der Landvolk-Vorstand. Je niedriger der Milchpreis, desto länger die Verträge mit den Molkereien.
Ein rotes Tuch ist der grüne Minister Christian Meyer. Der betreibe reine Klientelpolitik und habe für die Nöte der Landwirte nicht viel übrig, kritisiert Seetzen. Die vom Landwirtschaftsminister propagierte Agrarwende sei diffus: „Wir hören immer nur: ,Ihr macht alles falsch‘.“
45 000 Milcherzeuger gebe es (noch) bundesweit, etwa 430 in Friesland. „Die Betriebe wirtschaften auf Kante“, sagt Seetzen. Kein gute Idee seien Kampagnen eines Discounters, der den Milchpreis um 5 Cent werbewirksam anhob. „Wenn bundesweit alle Unternehmen die Preise für Trinkmilch anheben, hätten wir 0,5 Cent mehr pro Liter“, sagt Milchbauer Carsten Dirks. Tatsächlich bräuchten die Landwirte aber nicht 26,5 Cent, sondern an die 35 Cent, um einigermaßen rentabel arbeiten zu können. „So dient die Kampagne nur dem Image des Discounters“, sagt Dirks. „Uns nützt sie nichts.“
