Hannover/Oldenburg - Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt bereits seit über einem Jahr gegen Betriebe wegen des Verdachts der Missachtung von Tierschutzregeln. Dass der Fall nun erst durch die Veröffentlichung im aktuellen „Spiegel“ an die Öffentlichkeit komme, hänge nicht mit dem Regierungswechsel in Niedersachsen zusammen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Oldenburg, Frauke Wilken.
Eine solche Zahl von Verdachtsfällen im Zusammenhang mit der Haltung von Legehennen gab es laut Wilken in Niedersachsen bisher nicht. „Die Ermittlungen sind sehr aufwendig, so etwas dauert seine Zeit“, sagte die Sprecherin der in Niedersachsen für Strafsachen in der Landwirtschaft zuständigen Behörde. Sie hoffe, dass „relativ zeitnah“ feststehe, ob und in wie vielen Fällen sich der Verdacht bestätige. Ob es sich um Wochen oder Monate handele, sei unklar.
Ermittelt wird wegen möglicher Verstöße gegen das Lebensmittel- und das Futtermittelgesetzbuch sowie das ökologische Landbaugesetz. Verstöße könnten mit Geldstrafen und Haftstrafen von bis zu einem Jahr geahndet werden. Auch Betrugsvorwürfe müssten geprüft werden.
Der „Spiegel“ berichtet, ein Landwirt aus dem Emsland habe die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Der Mann, der 2007 in die Produktion von Bio-Eiern eingestiegen sei, habe den Ermittlern berichtet, ein Legehennen-Zuchtbetrieb habe ihm eine „Überbelegung“ empfohlen. Für die 12 000 Plätze in seinem Bio-Hof habe er deshalb 15 000 Hennen bestellt. „Dies machen alle so“, habe der Berater des Zuchtbetriebs dem Emsländer Landwirt zugeredet, berichtet der „Spiegel“.
Laut „Spiegel“ haben die Ermittler auch einen Betrieb im Visier, der dem Landtagsabgeordneten Clemens Große Macke (CDU) gemeinsam mit dem Twistringer Landwirt Heinrich Tiemann gehöre.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten Ende 2012 bundesweit fast zwei Drittel der Hennen (26,8 Millionen) in Bodenhaltung. An zweiter Stelle folgt die Freilandhaltung mit 5,4 Millionen (14,8 Prozent), an dritter Stelle Käfighaltung (13,4 Prozent). Bio-Betriebe hielten 2,9 Millionen Hennen (7,9 Prozent).
