Hannover - Spargelfans freuen sich ein ganzes Jahr lang auf den Saisonstart für das Edelgemüse. Dieses Jahr mussten sie wegen des kühlen Frühlings länger warten als 2014, als die Spargelzeit so früh wie nie startete. Und diesmal ist das kulinarische Vergnügen auch eher teurer, wie sich zur Halbzeit abzeichnet.
„Wir haben derzeit durchaus noch ein hohes Preisniveau“, sagte Michael Koch von der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft Ami. Eine aussagekräftige Bilanz sei zwar erst sinnvoll zum Auslaufen der Saison Ende Juni. Ein Trend deute sich aber schon an. So kostete ein Kilogramm weißer Spargel in der zurückliegenden Woche bundesweit im Schnitt 6,74 Euro. Gegenüber der Vorwoche waren das 70 Cent weniger, jedoch im direkten Vergleich mit derselben Woche des Vorjahres rund 23 Prozent Aufschlag. „Wir hängen aber diese Saison witterungsbedingt etwa zwei Wochen zurück“, sagte Koch.
Berücksichtige man diese Verschiebung im Vergleich mit 2014, ergibt sich ein Preisaufschlag von gerade einmal vier Prozent. Dennoch liegen diese Preise im Zehnjahresvergleich am obersten Ende. Zuletzt war es nur 2013 teurer.
Beim Spargel, so scheint’s, ist die Welt für die Bauern noch in Ordnung. Während sich die Kollegen bei Milch und Rüben mit Debatten um Quoten herumplagen, die Preise vieler Produkte an den Weltmärkten Achterbahn fahren, die Massentierhaltung Kritik heraufbeschwört und sich viele Landwirte um Russlands Importstopp für EU-Agrarprodukte sorgen, sind die Spargelbauern fein raus. Die Ernte des Edelgemüses stieg hierzulande 2014 im Vorjahresvergleich um satte elf Prozent, wie das Statistische Bundesamt errechnete. Auch dieses Jahr gibt es wieder viele positive Vorzeichen.
„Ich bin bisher an sich sehr zufrieden“, sagt Dietrich Paul, Chef der Spargelbauervereinigung in Niedersachsen. Das Land ist mit fast einem Viertel der bundesweit gut 25 000 Hektar Spargelanbaufläche Spitzenreiter für das „weiße Gold“. Paul verweist zwar auf den kalten April, der die Saison nach dem Rekordstart aus dem Vorjahr diesmal verzögert anlaufen ließ – 2014 hatte das Geschäft so früh begonnen wie noch nie. „Aber der Mai scheint einiges in Gang zu bringen“, sagt Paul. Ob trotz des späteren Starts die Menge des Vorjahres aufzuholen ist, sei erst am 24. Juni klar (Johannistag). Dann endet die Saison traditionell.
