HOHEGING - Schwer liegt die grüne Brühe in den Schläuchen. Milliarden Mikroalgen geben dem Wasser seine Farbe. Nur langsam wabern winzige Bläschen in ihnen hoch. Es ist reines Kohlendioxid, das Rudolf Cordes zuvor aus dem Biogas einer nebenstehenden Anlage gewonnen hat. Mit Hilfe der Mikroalgen will der Geschäftsführer des Langförder Unternehmens Novagreen nicht nur den CO-Ausstoß reduzieren, sondern auch den Markt für Tierfuttermittel umweltschonend revolutionieren.
Kohlendioxid binden
Mikroalgen sind einzellige Pflanzen, die bei ausreichend Licht, Wärme, Nährsalzen und CO einmal täglich ihre Biomasse verdoppeln können. Sie binden CO und produzieren je nach Art Omega-3-Fettsäuren, seltene Farbstoffe oder andere hochwertige sekundäre Pflanzenstoffe.
Vor zehn Jahren hatte Cordes mit der Entwicklung der Technik begonnen. Jetzt hat Novagreen erstmals ein Demo-Gewächshaus mit Algenproduktion an eine Biogasanlage gekoppelt. Eine zukunftsweisende Idee, gerade für das Oldenburger Münsterland, wo mehr als 100 Biogasanlagen in Betrieb sind.
Mit einem selbst entwickelten System wird getestet, unter welchen Bedingungen die Algen am besten wachsen und das meiste Kohlendioxid aus dem Biogas binden. Das Gewächshaus ist mit Photovoltaik-Glasscheiben eingedeckt, die 630 Kilowatt-Peak Strom pro Stunde erzeugen. Das Licht reicht aus, dass die Mikroalgen in den „Photobioreaktoren“, wie Cordes die grünen Schläuche nennt“, pro Hektar und Jahr rund 80 Tonnen Biomasse produzieren.
Dafür muss das Biogas ständig „gewaschen“, und das daraus gewonnene CO der Algenproduktion zugeführt werden. Bei diesem Verfahren entsteht bis zu 98 Prozent sauberes Biomethan, das zum Beispiel als Kraftstoff genutzt werden kann.
Parallel dazu führt Novagreen Versuche mit solchen Algen durch, die als Fischmehlersatz im Tierfutter und in der Aquafischkultur eingesetzt werden. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Überfischung der Meere würde das ganz neue Perspektiven eröffnen, meint Cordes. „Wer Öko-Fisch oder Öko-Shrimps herstellen will, braucht nach EU-Richtilinien Öko-Futter“, lacht der Novagreen-Chef. So könnte Fischfutter, sogenannte Pellets, mit aus Mikroalgen gewonnenen Zusätzen besprüht werden, beispielsweise mit Omega-3- Fettsäuren.
Andere Algen sind in der Lage, Pflanzenstoffe zu produzieren, die Basis sind für die rosa Farbe des Lachses und das Goldgelb des Eidotters.
Erstmals eingesetzt wurde die Technologie in Niederaußem, am größten Braunkohlekraftwerk Europas, das soviel Strom produziert wie 7000 Biogasanlagen. Dort werden die Rauchgase eingefangen, gewaschen und das CO den Mikroalgen zugeführt. Auf diese Weise will Energieriese RWE Biofuels (pflanzliche Treibstoffe) aus Biomasse gewinnen.
Hohe Effektivität
In Langförden produziert Novagreen die „klimafreundlichen Alleskönner“ (Cordes) in Hunderten miteinander verbundenen Photobioreaktoren. Ein weiterer Vorteil der Mikroalgen liegt in ihrer Photosynthese-Effektivität. Denn diese liegt mit sieben bis acht Prozent etwa doppelt so hoch wie die von C3-Pflanzen, wie etwa Mais.
Die Einsatzmöglichkeiten der klimafreundlichen Mikroalgen sollen auch beim 6. Weser-Ems-Gespräch der OLB-Stiftung (Oldenburgische Landesbank) thematisiert werden, das zwischen Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik am Donnerstag, 25. Februar, 9 Uhr, in der Oldenburger Weser-Ems-Halle stattfindet.
