HOHENBERGE - Über eine Treppe aus Stahlgittern geht es mehrere Meter hinauf.  Mit einer großen Taschenlampe leuchtet Gaby Cordes durch ein Bullauge in die Biogasanlage. Durch ein zweites Glasfenster ist die beige Gärmasse zu erkennen, aus der Blasen aufsteigen. „Das ist das Methangas“, sagt sie. „Das muss man sich vorstellen wie den großen Magen einer Kuh. Der Bakterienstamm ist ähnlich. Wir füttern die Anlage zweimal am Tag.“ Die beiden Fermenter, in denen Biogas entsteht, haben keine Türen. Das Substrat in Form von Mais, Gras, Weizen sowie die Gülle gelangen über Rohre in die riesige Betonschüssel. Ansonsten hat die Biogasanlage in Hohenberge allerlei Türen, unter anderem zum Technik- und zum Pumpenraum.

Gaby Cordes, die mit ihrer Familie seit Anfang des Jahres die erste Biogasanlage in der Stadt Varel betreibt, öffnet die Tür zum Motorenraum. Dahinter steht ein 190-KW-Blockheizkraftwerk (BHKW). „Der Sechszylinder läuft mit Biogas rund um die Uhr und produziert Strom und Wärme“, erklärt Cordes. Mit dem größten Teil der Wärme wird die Gärmasse in der Bioanlage auf konstant 40 Grad gehalten, damit die Bakterien sich beim Arbeiten wohl fühlen.

Ein zweites 370-KW-BHKW steht 1,6 Kilometer weiter stadteinwärts nahe der Gymnastikhalle an der Rodenkirchener Straße. Vom Hof der Familie Cordes wird durch eine Leitung Methangas gepumpt für den V12-Motor (22 Liter Hubraum). Mit der Abwärme werden das Hallenbad, die Sporthalle an der Arngaster Straße, das Schulzentrum, die Hausmeisterwohnung und die Gymnastikhalle versorgt. Beide BHKW produzieren 560 Kilowattstunden Strom und eine ähnliche hohe Leistung an thermischer Energie. Für den Strom bekommt der Betreiber 20 Jahre lang nach dem Erneuerbaren Energien-Gesetz (EEG) eine festgelegte Vergütung.

Das Geschäft lohnt sich nicht nur für Familie Cordes, die 2,6 Millionen Euro investiert hat, sondern auch für die Stadt und den Landkreis. Die Stadt spart 10 000 Euro von bislang 50 000 Euro Gaskosten pro Jahr ein und brauchte den alten Heizkessel (80 000 Euro) nicht zu ersetzen, weil sie eine Vollversorgung mit Cordes vereinbart hat. Der Kreis als Schulträger spart bis zu 50 Prozent seiner Heizkosten von 50 000 Euro im Jahr.

Mit der Biogasanlage hat die Familie Cordes den Bauernhof, der seit 1879 in fünfter Generation bewirtschaftet wird, neu ausgerichtet. Gaby und Eckhard Cordes sowie Sohn Eike (22) sind nicht nur Landwirte mit Milchwirtschaft und Ackerbau, sondern auch Energiewirte. Durch die Biogasanlage werden pro Jahr 430 Tonnen CO vermieden. Außerdem wird 80 Prozent Handelsdünger eingespart, weil der Gärrest aus der Biogasanlage auf die Felder ausgebracht wird. „Wir sind sehr zufrieden“, bilanziert Gabriele Cordes das erste Jahr.

Christoph Koopmeiners Redaktion Cloppenburg