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Hohenbökener Moor I Vögel durchkreuzen Klimapläne

Karsten Kolloge

HOHENBöKEN - Klimaschutz versus Vogelschutz: Die Kollision zweier ökologischer „Fraktionen“ scheint im Hohenbökener Moor programmiert. Das Ganderkeseer Unternehmen Volkswind möchte, wie im Dezember berichtet, hier einen Windpark errichten. Doch Naturschützer schlagen Alarm. Tenor: Ganderkesee werde bereits an der Sannauer Helmer große Flächen für die Windkraft „opfern“, jetzt gehe es um das letzte zusammenhängende feuchte Grünlandgebiet.

Beim Hohenbökener Moor handele es sich um ein Nassgrünland, in dieser Form einzig in der Gemeinde, sagte der Ganderkeseer Umweltschutzbeauftragte Carsten Wünker. Der Landschaftsrahmenplan von 1995 stufe das Gebiet nördlich der Straße Am Zollbaum als „naturschutzbedürftigen Bereich“ ein, das heißt, er empfehle hier die Ausweisung als Naturschutzgebiet. Dieses Areal umfasse auf Ganderkeseer und Huder Gebiet zusammen etwa 180 Hektar (davon in Ganderkesee rund 70 Hektar). Der Bereich südlich vom Zollbaum wird als „landschaftsschutzbedürftig“ eingestuft, das heißt, hierfür wird ein Landschaftsschutzgebiet empfohlen.

Frische Zahlen fehlen

Wünker wies allerdings darauf hin, dass der Gemeinde nur Untersuchungen des Bereichs aus der Zeit bis 1999 vorlägen.

Die hohe ökologische Wertigkeit des Areals hänge insbesondere mit seiner Bedeutung als Brutstätte für Wiesenvögel sowie als Standort für Rast- und Gastvögel zusammen, sagte Henning Meinecke (Hude), der das Hohenbökener Moor im Zeitraum von 1975 bis 2005 intensiv untersucht hatte. Dabei habe er viele, teils bedrohte Tiere registriert, an Wiesenvögeln etwa Bekassine, Brachvogel, Uferschnepfe, Feldlerche, Wiesenpieper und Schwarzkehlchen, ferner Greifvögel wie Mäusebussard, Kornweihe oder Turmfalke. Das Gebiet habe den Status „von regionaler Bedeutung“.

In dem Bereich Windkraftanlagen zu errichten heiße, dass die hohe Wertigkeit verloren ginge. „Es wäre ein Jammer.“ Meinecke gab auch zu bedenken, dass zwei große Windparks (Sannauer Helmer und Hohenbökener Moor) eine Barrierewirkung für ziehende Vögel hätten.


Ganz anders die Argumente des Ganderkeseer Unternehmens Volkswind: Im Laufe der jüngsten Vergangenheit habe die intensivere Landwirtschaft dazu beigetragen, dass Rast- und Brutvögel im Hohenbökener Moor weitaus seltener zu finden seien als noch vor wenigen Jahren. Außerdem könne durch Ausgleichsflächen dafür gesorgt werden, dass die Vogelwelt wieder bessere Bedingungen bekommt.

Mäusedichte als Faktor

Meinecke sagte dazu: Wie viele Vögel in einem Gebiet brüten oder rasten, sei wechselhaft und hänge unter anderem von der Mäusedichte ab. Zutreffende Daten könnten nur mehrjährige Untersuchungen liefern.

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