Hohenkirchen - Es war am 2. Januar 2005, als Harald Koch nach Hohenkirchen kam: Die Kaserne stand damals bereits seit zwei Jahren leer, die Gebäude waren eiskalt und unbewohnt. Kochs Aufgabe: Den Umbau des Geländes in eine Hotel- und Freizeitanlage zu begleiten.
Es war eine Hiobsbotschaft für Hohenkirchen und das Wangerland: Die Kaserne des Objektschutzregiments samt Unteroffiziersschule wurde zum 31. Dezember 2003 geschlossen. Die Kaserne war Standort der FlaRak-Gruppe 26.
Viele Gewerbebetriebe im Wangerland und darüber hinaus profitierten vom Bundeswehr-Standort – und nun? Politiker und Personen des öffentlichen Lebens suchten nach Lösungen und einer Nachnutzung für die Immobilie.
Durch Zufall wurde der Niederländer Henni van der Most auf die Anlage und die Raketenanlage in Mederns aufmerksam – und kaufte nach einigem Zögern beide Liegenschaften mit dem Ziel, in Hohenkirchen eine Hotelanlage samt Spielstadt zu errichten und in Mederns einen Motorsportpark aufzubauen. Aus dem Motorsportpark wurde nichts – die bürokratischen Hindernisse für das Projekt waren zu hoch.
Zuvor hatte er 15 Jahre in Kalkar im nie ans Netz gegangenen Atommeiler gearbeitet. Später leitete er den Umbau Kalkars in eine Freizeitanlage für den Niederländer Hennie van der Most. In Hohenkirchen bot sich Harald Koch die Möglichkeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Dass ihn seine Freunde fragten, „wieso gehst Du in die Provinz?“ hielt ihn nicht davon ab.
Nun steht Harald Koch mit 63 Jahren kurz vor dem Schritt in den Ruhestand: Anfang Februar ist es so weit. Abschied – das ist, was ihn schon lange beschäftigt und ihn nicht loslässt. Aber seine Entscheidung ist selbst gewählt und gewollt.
Und wenn er sagt: „Man lässt etwas zurück“, so dürfte das nach so vielen Jahren des Aufbaus und Erfolgs für jeden nachvollziehbar sein.
Es ging 2005 darum, Kontakte zu knüpfen – zur Gemeinde Wangerland, zum Landkreis Friesland und darüber hinaus bis Hannover, denn die bisherige Kaserne war nirgendwo als Bauobjekt verzeichnet. „Das war für mich schon lustig, als ich zum Bauamt des Landkreises in Jever kam und eine Baugenehmigung beantragen wollte“, erinnert sich Koch und schmunzelt: Denn der Mann im Bauamt wusste es ganz genau: „Da steht ja nichts, da sind keine Gebäude, meinte er zu mir.“
Bundeswehr-Liegenschaften waren damals nicht auf Plänen verzeichnet – nur als Bundeswehr-Fläche gekennzeichnet. Die Konversionsmaßnahme in Hohenkirchen war damals eine der ersten – Investor und Eigentümer sowie Behörden mussten erst herausfinden, wie das funktioniert.
Am gleichen Tag erhielt Koch dann in Hohenkirchen noch Besuch von „zwei Herren von der Finanzverwaltung: sie möchten das gesamte Areal steuerlich erfassen“. Deren Gesichter seien mehr als konsterniert gewesen, als Koch ihnen das Papier des Bauamts mit dem Vermerk vorlegte: „Keine Gebäude vorhanden.“
Doch bald lösten sich diese und andere Probleme. Viel politischer Wille auch auf Landesebene hatten die Genehmigungsverfahren beschleunigt. Häufig überbrachte Landrat Sven Ambrosy Genehmigungen persönlich.
Inzwischen ist die Anlage in Hohenkirchen ein Markenzeichen für viele Feriengäste. Das belegen die Auszeichnungen, die in der Rezeption an der Wand hängen: TUI, Neckermann-Reisen, Thomas Cook und andere Unternehmen lobten die Hotelstadt Dorf Wangerland. „Als Preisträger sind wir Spitze“, freut sich Harald Koch.
Wie aber konnte die Hotelstadt so schnell so gut am Markt platziert werden? „Das haben wir über den Preis gemacht. Zu Beginn haben wir Verluste in Kauf genommen und alles inklusive zu einem konkurrenzlosen Preis angeboten. Das sprach sich schnell herum“, erzählt Harald Koch. Zeitweise hatte die Anlage bis zu 80.000 Übernachtungen im Jahr. Heute fährt die Anlage mit gut 70.000 Übernachtungen einen soliden Kurs – und ist bundesweit bekannt.
Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hat dort mit seinem Sohn schon übernachtet, auch die Bundeswehr ist wieder vor Ort und führt regelmäßig Seminare durch. Selbst österreichisches Militär war schon zu Besuch. Und an den Besuch des Papstorchesters erinnert sich Manager Koch ebenfalls.
Viele Veranstaltungen gibt es im Hotel: Besonderes Event sind die Silvesterfeiern, die immer unter einem besonderen Thema stehen und die vor allem von den Hohenkirchenern gern gebucht werden. Hinzu kommt seit fünf Jahren das Neujahrsschwimmen zugunsten der Jugendfeuerwehr. Und in diesem Jahr ist das „Dorf Wangerland“ federführend bei der Garten- und Freizeitmesse – Projekt im Rahmen von „Erde und Flut“.
Von den Anfängen der Anlage bis heute habe er viele Menschen kennen gelernt, viel gesehen, erlebt und auch erfahren, resümiert Koch: „Es war das ganze Spektrum menschlichen Lebens.“
Ihn habe immer gefreut, wenn Kinder sich an ihren Urlaub im Dorf Wangerland erinnerten und Bilder gemalt oder Postkarten an Maskottchen Käpt’n Wanga oder an die Pferde des kleinen Tierparks geschickt haben.
Besonders liegen dem Hoteldirektor seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Herzen. Für sie geht er gern in die Bütt, lobt sie für langjährige Tätigkeit in der Anlage oder geht mit ihnen auf Tour.
Und wenn er über die gute Zeit in Hohenkirchen nachdenkt, wird er philosophisch: „Ich sehe in allen Individuen erst den Menschen und dann dessen Funktion“, sagt Harald Koch.
Überrascht und erfreut hat ihn jedenfalls die Ehrung beim Neujahrsempfang der Gemeinde Wangerland für seinen Einsatz im Gewerbeverein Hohenkirchen, der Dorfgemeinschaft Hohenkirchen und für sein Engagement für und in der Hotelstadt.
