Berlin - Missernten und Spekulation haben die Preise für Vanille im zurückliegenden Jahr massiv in die Höhe getrieben. Nach Angaben des Hamburger Handelshauses Aust & Hachmann verkauft der weltweit größte Produzent des Gewürzes, Madagaskar, das Kilo derzeit für 200 Dollar (176 Euro). Seit Ende 2014 habe sich der Preis damit verdreifacht.

Gründe für die Eskapaden seien schlechte Ernten sowie eine künstlich herbeigeführte Verknappung, erklärte Inhaber Berend Hachmann. „Auf Madagaskar hat es viel Spekulation gegeben.“ Mengen seien gehortet und nicht angeboten worden.

Zwischen 2003 und 2013 waren die Preise für Madagaskar-Vanille laut Hachmann auf ein historisch niedriges Niveau gesunken. Die Bauern hätten folglich weniger angebaut und ihre Plantagen nicht mehr ordentlich gepflegt. Das mache sich nun bemerkbar.

Die hohen Preise ließen sich jedoch nicht lange halten, sagte der Vanille-Importeur. In diesem Jahr werde die Ernte wahrscheinlich ertragreicher, da die Bauern wieder mehr anpflanzten. „Die Situation wird sich wohl 2017 entspannen.“ Die diesjährige Vanille-Ernte ist erst im November verfügbar.

Verbraucher müssen trotz der Preisexplosion auf absehbare Zeit wohl nicht tiefer in die Tasche greifen. Die Speiseeis-Branche, die in der Herstellung überwiegend auf natürliche Inhaltsstoffe setzt, wird die Preise nicht erhöhen.


Die großen Hersteller von industriell produziertem Markeneis wie Langnese, Nestlé Schöller oder Häagen-Dazs seien in der Regel an Lieferverträge mit langjährigen Laufzeiten gebunden, erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie, Ernst Kammerinke. „Da macht es sich nicht bemerkbar, wenn ein oder zwei Ernten aus dem Ruder laufen.“

Auch Eisdielen werden die Preise nach Angaben der Union italienischer Speiseeishersteller in diesem Sommer nicht erhöhen. „Die Einkäufe sind längst gemacht“, sagte Sprecherin Annalisa Cario.