HOLLEN - Wurstscheiben bekommen ein Clownsgesicht, Hamburger werden mit Spielfiguren aus einem aktuellen Animationsfilm verkauft, Fischstäbchen sind der Einstieg in ein Piraten-Abenteuer und. . . ; die Aufzählung ließe sich problemlos verlängern. Die Nahrungsmittelindustrie hat sich längst auf die Kunden von morgen eingestellt und versucht, Kinder mit ganz speziellen Produkten anzusprechen. Dabei geht es nicht nur um langfristige Markenbindung, sondern auch um aktuellen Umsatz: Kinder verfügen zum einen über beträchtliche Beträge an Taschengeld und bestimmen zum anderen auch in erheblichem Umfang mit, wenn sie beim Einkauf dabei sind.
Bleibt die Frage, ob „Kinderlebensmittel“ ernährungsphysiologische Vorteile bieten? „Nein“, lautet das eindeutige Urteil der Experten des Regionalen Umweltbildungszentrums (RUZ) in Hollen. „Im Gegenteil. Sie enthalten häufig mehr Farbstoffe, Zucker und Fett als herkömmliche Produkte.“
Ernährungsgewohnheiten, so weiß Ute Röddecke von der AOK Delmenhorst, gehören zu den beständigsten Verhaltensmustern. Sie entwickeln sich vorwiegend in der Familie. Aus diesem Grund sind Eltern und Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren gleichermaßen eingeladen, wenn das RUZ einen Kursus zum Thema „Kinderlebensmittel im Spiegel der Werbung“ anbietet.
Die AOK finanziert das Angebot im Rahmen ihrer langfristig angelegten Familienstudie. „Es geht nicht darum, bestimmte Lebensmittel zu ächten, sondern Familien praktikable Alternativen aufzuzeigen“, sagte Ute Röddecke, die zusammen mit Renate Pfitzenmaier vom RUZ den Kursus leiten wird. Natürlich seien verpackte Snacks praktisch, wenn es morgens schnell zur Schule gehen soll, aber es gebe auch fürs gesunde Frühstück genügend Möglichkeiten, schnell etwas auf den Tisch beziehungsweise in die Schultasche zu zaubern.
Die praktische Zubereitung von leckeren und gesunden Rezepten ist denn auch ein Schwerpunkt des Kurses, der am Sonnabend, 18. Juni, von 14 bis 18 Uhr im RUZ Hollen läuft. Eltern mit Kindern können sich ab sofort unter Telefon 04221/10 14 86 33 anmelden. Eine Mitgliedschaft in der AOK ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.
Eine „Ampel-Kennzeichnung“ der Produkte, bei der Lebensmittel mit hohem Fett und Zuckeranteil eine rote Plakette erhalten, würde Eltern die Orientierung sicher erleichtern, meinte Renate Pfitzenmaier am Montag bei der Vorstellung des Kurses. Bis es einmal so weit ist, müssen sich die Erwachsenen aber selbst informieren, wenn sie ihrer Vorbild-Funktion gerecht werden wollen, so Renate Pfitzenmaier. In Sachen Lebensmittel gebe es noch ein weites Feld zu beackern, meinte Ute Röddecke. Das RUZ sei dafür ein sehr guter Partner.
