HOLLEN - Helga Schwarz hat im Rahmen eines Praxissemesters im RUZ eine „praktische Diplomarbeit“ geschrieben. Sie warb für heimische Lebensmittel – die viele Schüler nicht kannten.

Von Karsten Kolloge

HOLLEN - Helga Schwarz staunte nicht schlecht, als sie im vorigen Jahr einigen jungen Besuchern des Umweltzentrums Hollen die Vorzüge von heimischem, saisonalem Gemüse anpries. Denn: Nur etwa zehn Prozent hätten gewusst, was „Rote Beete“ ist, noch weniger kannten „Pastinake“. Helga Schwarz ist angetreten, hier ein wenig für Abhilfe zu sorgen: Auf der Grundlage eines Praxissemesters im Umweltzentrum schrieb die 40-Jährige eine „praktische Diplomarbeit“, deren Ergebnisse auch in den Schulunterricht einfließen könnten.

„Regional und saisonal einkaufen und genießen“ lautete das Thema für die Studentin an der Fachhochschule Osnabrück. Mit ihrer Arbeit im Fach Ernährungswissenschaften lieferte sie eine Unterrichtseinheit für 5. und 6. Schulklassen zum Thema „nachhaltige Ernährung“.

Dieser Unterricht ist alles andere als staubtrocken. So bat die gelernte Hauswirtschafterin zum Beispiel an eine „Schmeckstation“ (wo Gemüse zu probieren war), an eine „Fühlstation“ (wo es galt, verschiedene Nuss-Sorten zu ertasten) oder zu einem „Wochenmarkt“ (wo die Obstkisten selbst zu beschriften waren). Mit dem Unterricht will sie zeigen, welche Auswirkungen die Ernährung hat – auf den Menschen selber, auf die Umwelt sowie auf Gesellschaft und Wirtschaft.

„20 Prozent der Primärenergie werden durch Ernährung beansprucht“, sagte Helga Schwarz. Auch seien dem Ernährungsbereich 20 Prozent der Treibhausgase zuzuordnen. Da gehe es auch um Transportwege. Es mache schon einen Unterschied, ob zum Beispiel die Erdbeeren aus unserer Region oder aus Südafrika stammen. Hinzu komme, dass der Kauf heimischer Produkte hierzulande Arbeitsplätze sichern könne.


In Hollen wollte die Studentin „ihren“ Schülern (von drei Delmenhorster Schulen) zunächst zeigen, welche Produkte die Region zu welcher Jahreszeit bietet. Hier habe es bei den Schülern „große Lücken“ gegeben, sagte sie. Es sei aber auch klar geworden, dass es gar nicht so einfach sei, zum Beispiel an Rote Beete heranzukommen – es sei denn, sie sei vakuumverpackt und geschält.

Für das Umweltzentrum Hollen war es das erste Mal, dass eine Studentin hier ein Praxissemester absolviert und eine Diplomarbeit geschrieben hat, so Marina Becker-Kückens, pädagogische Mitarbeiterin im RUZ. Auch das Umweltzentrum habe davon profitiert, man habe manch einen interessanten wissenschaftlichen Hintergrund erfahren.