HOLLRIEDE - „Kennst Du mich noch? Weißt Du noch, was wir damals gespielt haben?" Frauke Brown aus Chicago konnte sich recht gut erinnern, auch wenn sie nicht auf Anhieb alle Namen parat hatte. „Aber die Gesichter habe ich sofort wieder erkannt“, erzählt sie. Inzwischen sind 55 Jahre vergangen, seit Frauke – damals noch – Ulfers von Hollriede zunächst nach Westerstede und 1960 nach Amerika zog. Für zehn Tage war die gebürtige Hollriederin nun mit ihrem Sohn Gregory zu Gast in ihrer alten Heimat.
Zufällig sei sie vor einigen Jahren auf die Homepage von Hollriede gestoßen und über das Internet in Kontakt mit Günter Hellmers, Webmaster und Schriftführer des Ortsbürgervereins, getreten. So erfuhr sie einiges über die jetzige Nutzung der ehemaligen Hollrieder Schule, dem Gebäude, in dem ihr Vater Wilhelm Ulfers als erster Lehrer von 1931 bis 1952 unterrichtete, und in dem sie mit zwei Geschwistern aufwuchs. Die Korrespondenz mit Günter Hellmers machte die Amerikanerin neugierig auf ihre Kindheit und die alte Schule, so dass sie sich für einen Hollriede-Besuch entschied.
Für sie hatte der Ortsbürgerverein sogar ein Treffen im Sport- und Dörpshus Hollriede arrangiert. Etwa 60 Gäste waren der Einladung gefolgt, um die ehemalige Mitschülerin Frauke Ulfers wiederzusehen, bei Tee, Stuten und Kuchen zu klönen und in einer Diaschau die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. „Es war wie ein tolles Klassentreffen, das hat viel Spaß gemacht“, lautete die übereinstimmende Meinung der Gäste, die zum Teil von weiter her kamen.
Noch lebhaft konnte sich die heute 68-jährige Frauke Brown bei der Besichtigung des Schulgebäudes samt Lehrerwohnung – seit über 15 Jahren im Privatbesitz der Familie Paskarbies – an Einzelheiten entsinnen. „Die Fliesen im Flur waren damals schon und an die Scheiben in den Zimmertüren kann ich mich auch noch zurück erinnern – ja und unser Tannenbaum stand fast an der gleichen Stelle“, lachte die Besucherin. Es käme ihr vor, als wäre es noch nicht lange her, so deutlich habe sie alles vor Augen. Auch Küche und Schlafzimmer seien heute dort, wo sie früher schon gewesen seien. Viele Gedanken an ihre Kindheit, wie die Beherbergung von Flüchtlingen, das Trocknen der gesammelten Eicheln auf dem Dachboden für die Verfütterung an die beiden Schweine oder an die Kellerräume wurden lebendig. Auch wenn heute Teile des Wirtschaftsgebäudes verändert sind, erinnerte sie sich an viele Einzelheiten, beispielsweise wo damals die Pumpe als einzige Wasserquelle im Haus zu finden war. „Sie haben es
wirklich stilgerecht restauriert und sehr geschmackvoll eingerichtet“, war Frauke Brown sehr angetan von der Besichtigung ihres Elternhauses.
Mit vielen Eindrücken und Erinnerungen an ihre Kindheit trat sie mit ihrem Sohn die Heimreise nach Amerika an.
