HOLZKAMP - Gut Holzkamp ist seit 1809 im Familienbesitz. Der Milchviehbestand des Betriebes besteht aus 60 Kühen.
von daniela greulich
HOLZKAMP - Eine Delegation des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im Europäischen Parlament hat gestern den Betrieb Gut Holzkamp von Herbert und Margret Breithaupt besichtigt. Auch Vertreter von Gemeinde, Landkreis, Landvolk und der Firma Nordmilch nutzten die Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen.Der Besuch sei das „Schluss-Highlight“, bevor es für die Ausschuss-Mitglieder wieder nach Hause gehe, lobte der Vechtaer Europaabgeordnete Hans-Peter Mayer, auf dessen Anregung die Delegation das Oldenburger Land besuchte. Seit Dienstag suchten die Europa-Parlamentarier das Gespräch mit Landwirten und Firmen in der Region. Thema auf Gut Holzkamp: die Milchwirtschaft.
Das heute 87 Hektar umfassende Gut Holzkamp sei seit 1809 im Familienbesitz, berichtete Herbert Breithaupt. Der Betrieb ist voll arrondiert, das Hofgebäude befindet sich in der Mitte. Richtung Bundesstraße liegt Ackerland, auf dem Raps, Gerste, Weizen, Roggen und Mais angebaut werden, nach Süden schließt sich Grünland an. Der Betrieb biete 1400 Plätze für Mastschweine, etwa 3000 bis 3500 Tiere verlassen Gut Holzkamp jährlich in Richtung Schlachterei, erläuterte Breithaupt den Besuchern. 60 Kühe umfasst der Milchviehbestand – etwa der Durchschnitt eines Nordmilchbetriebes, so der Landwirt.
Im Mittelpunkt der regen Diskussion der Gäste stand die Milchquote. Brüssel setze bei den Vorschriften immer noch einen drauf, beschwerte sich Peter Cornelius, Vorsitzender der milchwirtschaftlichen Vereinigung Niedersachsen und Kreislandwirt Wesermarsch, bei den EU-Parlamentariern. Es müsse umgekehrt sein – Brüssel den Rahmen vorgeben, vor Ort die Details folgen. Das Quotensystem diene nicht dazu, den Erzeugerpreis für die Bauern zu stabilisieren, sondern nach unten zu drücken. „Darauf können wir gut verzichten.“
Brüssel bestimme nicht den Milchpreis, betonte die EU-Parlamentarierin Elisabeth Jeggle. Der werde am Markt erwirtschaftet. Was die Bauern von Brüssel bekämen, müsse man dazu rechnen.
Klaus A. Hein, beim Milchverarbeiter Nordmilch zuständig für die Betreuung der Landwirte, forderte die Politik auf, sich aus dem Markt zurückzuziehen, bei einem „Übergang ohne Strukturbrüche“. Restriktionen müssten abgeschafft werden. Als Möglichkeit brachte er auch einen europaweiten Quotenhandel ins Spiel.
Er wünsche sich bei der Milchquote mehr Flexibilität, zum Beispiel einen Ausgleich über zwei Jahre, sagte Herbert Breithaupt. Auf den Höfen, die alleine Milchwirtschaft betreiben könnten, bleibe zu wenig hängen, da der Milchpreis eigentlich zu niedrig sei – deshalb hörten immer mehr Betriebe auf.
