HOLZKAMP - HOLZKAMP - Heute ist der „Internationale Tag der Milch“. Doch zum Feiern ist den Milchbauern nicht zumute, wie Herbert Breithaupt (56) von Gut Holzkamp in Ganderkesee berichtet. Breithaupt hält u. a. 60 Milchkühe – und leidet wie alle anderen Milcherzeuger auch unter Quotenregelung und Preisverfall. „Wer seinen neuen Stall abbezahlen muss“, sagt er, „kommt bei diesen Preisen schon nicht mehr klar.“
Breithaupts Betrieb ist seit 200 Jahren im Besitz seiner Familie. Heute gehören dazu 40 Hektar Grünland als Grundlage für die Milcherzeugung und 50 Hektar Acker als Grundlage für die Schweinemast. Als Beiratsmitglied der Molkerei „Nordmilch“ hat Breithaupt neben der Milcherzeugung auch die Vermarktung im Blick.
Und das ist seine erste Sorge: Die Marktmacht der Discounter, die einen wesentlichen Teil der Milch abnehmen und immer weniger zahlen wollen.
In den zurzeit laufenden Preisverhandlungen gehe es bei einem dieser Discounter um einen Preisnachlass von zehn Prozent auf die ohnehin schon niedrigen Preise, die bisher gezahlt werden, berichtet Breithaupt.
Seine zweite große Sorge: Die Preis- und Milchmarktpolitik der Europäischen Union, die den Milchpreis nach Breithaupts Eindruck auf das Weltpreis-Niveau drückt, die Überschreitung der festgelegten Milchmenge („Quote“) mit hohen Bußgeldern bestraft und die so genannte „Intervention“ (das Eingreifen bei stark fallenden Preisen) gänzlich unterlassen möchte. „Die Folge“, vermutet Breithaupt, „werden weiter fallende Preise sein.“ Und die sind heute schon so niedrig, dass – so Breithaupt – „viele Kollegen darüber nachdenken, ob sie unter diesen Umständen überhaupt noch weitermachen sollen.“ Zurzeit bekomme der Milcherzeuger einen Grundpreis von 25 Cent pro Kilogramm, zuzüglich Zuschläge für einen besonderen Fett- und Eiweißgehalt, neun Prozent Mehrwertsteuer und 2,36 Cent Preisstützung von der EU. Da werde der Kuchen für den reinen Milchbauern „verdammt klein“, meint Breithaupt. „Kaum möglich, davon den Unterhalt einer Familie zu bestreiten.“.
Die Folge: Fünf bis sechs Prozent der Milchbetriebe geben Jahr für Jahr auf – vor allem solche, die anders als das Gut Holzkamp nicht als Familienbetrieb geführt werden und Lohnkosten haben. Und der Rest hofft, dass es ihnen umso besser geht, je mehr Mitbewerber aufgegeben haben. Breithaupt weiß von Kollegen, die einen Teil ihrer Milch in die Gülle geschüttet haben, um eine Überschreitung der Quote und damit hohe Strafzahlungen zu vermeiden; er selbst hat in diesem Jahr zum ersten Mal Milch an seine Schweine verfüttert.Dennoch will er durchhalten und seinen Mischbetrieb in alter Form fortführen.
Breithaupt tröstet sich damit, dass er einen Teil seines Einkommens mit der Schweinemast erzielt, und sieht auch keine rechte Alternative zur Landwirtschaft – denn „woanders gibt es ja auch keine Arbeitsplätze“.
