Bösel - Er ist einer der Letzten seiner Zunft und steht auch noch mit 83 Jahren regelmäßig in seiner Werkstatt – Alwin Nording öffnet für die NWZ -Serie 24 Türen seine neu errichtete Holzschuhmacherwerkstatt in Bösel.
Noch aus dem Jahr 1934 stammen Bandsäge sowie Bohr- und Kopiermaschine, die Nordings Vater Franz damals anschaffte und mit denen der Böseler heute noch Birken- und Erlenholz verarbeitet. Die Feinarbeit nimmt er dann per Hand vor – eine richtige Knochenarbeit.
Anfrage aus Japan
„Ich war noch keine 14 Jahre, als ich den Kittel anbekommen habe“, erzählt Nording, der bei seinem Vater in die Lehre ging. Zwischen 80 000 und 100 000 Paar Schuhe habe er seitdem angefertigt. Seine drei Söhne sind jedoch nicht in die Fußstapfen ihres Vaters getreten. Richtig Holzschuhe machen, könne keiner von ihnen, sagt Nording.
Der fertigt noch heute Holzschuhe an. „Die Maschine leistet zehn bis 15 Paar Schuhe am Tag“, so der 83-Jährige. In der Glanzzeit kamen 50 bis 60 Paar pro Tag zusammen. „Damals gingen die Bauern noch mit Stiefelholzschuhen hinter dem Flug hinterher“, sagt Nording; und Kinder lernten in den Holzschuhen zu laufen. Nur sonntags wurden die guten Lederschuhe angezogen, erinnert sich seine Frau Elisabeth.
Ab 1960 sank die Nachfrage an Holzschuhen. „Dann kamen die Bauernmärkte und Stadtfeste. Ich war der Einzige, der noch Holzschuhe machen konnte,“ berichtet der Böseler. Er zog dann durch ganz Nordwestdeutschland, um den Menschen das Holzschuhmachen zu zeigen – Ehefrau Elisabeth stets an seiner Seite. Auch Anfragen aus dem Ausland erreichten ihn – wie ein Angebot aus Japan, sechs Wochen lang dort Holzschuhe anzufertigen. Seine gesamte Werkstatt sollte in einem Container per Schiff nach Japan gebracht werden und Nording hinterherfliegen. Doch alleine wollte er nicht so weit reisen und sagte ab.
Holzschuhe als Geschenk
Heute hat er immer noch Abnehmer, fertigt Schuhe für Hölzerne Hochzeiten oder als Geschenk an. Auch kurz vor Weihnachten hat der 83-jährige Großvater noch alle Hände voll zu tun. Denn auch die beiden jüngsten seiner zwölf Enkel beschenkt er mit einem kleinen Paar Holzschuhe.
