Horstedt - Wie der Zufall so will: Die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen hatte am Dienstagmittag im Büro von Tischlermeister Martin Oetken in Horstedt gerade Platz genommen, da klingelte um 13.20 Uhr das Telefon. Ein Berufskollege rief an und fragte, ob Oetken noch Verstärkung brauche. Und genau das sollte eines der Themen des Gesprächs von Grotelüschen und Oetken sein: Um „Mitarbeiter- und Nachwuchsgewinnung in Zeiten von Fachkräftemangel“ und um „wirksame Maßnahmen zum Schutz vor Einbruch“ sollte es gehen.
Einen Anruf wie den von 13.20 Uhr habe er seit Jahren nicht gehabt, stellte Oetken klar. Ganz im Gegenteil: Die Suche nach Interessierten für eine Tischlerausbildung oder nach ausgebildeten Tischlern werde immer schwieriger. Wenn in seinem Betrieb mit drei Mitarbeitern (darunter ein Azubi) „ein, zwei dazukämen, würde das ausreichend sein“.
Oetken hat schon einiges versucht, um neue Mitarbeiter oder Azubis zu gewinnen. So sei sein Betrieb seit einem Jahr bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Er habe Zuschriften erhalten, „aber es kommt hier keiner an“. Der Tischlermeister nutzte auch die Plattform über die Innung, Facebook, den Ebay-Kleinanzeiger, er beteiligte sich am Tag des offenen Handwerks, ließ „Kollege gesucht“-Aufschriften auf allen Fahrzeugen anbringen – nichts half.
Eine Ursache für diese Situation im Handwerk, da ist sich Astrid Grotelüschen sicher, sei die zu geringe gesellschaftliche Wertschätzung der praktischen Arbeit – und, damit verbunden, die Motivation. „Wir müssen dafür sorgen, dass sich junge Leute wieder gerne im praktischen Bereich wiederfinden.“
Gerade im technischen Bereich gebe es im Studium „hohe Abbrecherquoten“. Um diesen Abbrechern den Quereinstieg ins Handwerk zu erleichtern, habe die Politik dafür gesorgt, dass ein Teil des Studiums auf die Ausbildung angerechnet werden kann.
Zweitens: Bewährt habe sich die im Mai 2018 in Niedersachsen eingeführte Meisterprämie in Höhe von 4000 Euro. Hier „sind wir in Diskussionen, das bundesweit zu machen“.
Drittens: „Wir wollen die Meisterpflicht für einige Berufe wieder einführen.“ Für 53 Gewerke sei die vor einigen Jahren rausgenommen worden. Das habe zum Beispiel bei Fliesenlegern „zu eklatanten Fehlentwicklungen“ geführt, also zu Pfusch am Bau.
Oetken und Grotelüschen tauschten sich schließlich über Einbruchschutz aus. Ausgangspunkt war hier die vor etwa zwei Wochen veröffentlichte Statistik, nach der die Zahl der Wohnungseinbrüche im Landkreis Oldenburg von 275 (2017) auf 190 (2018) zurückgegangen ist.
Hier spiele auch der Einbruchschutz hinein, sagte Grotelüschen und machte darauf aufmerksam, dass aus Mitteln des Bundes Investitionszuschüsse für Maßnahmen zum Einbruchschutz gezahlt würden (Näheres: Merkblatt Bauen, Wohnen, Energie sparen, KFW 455). Hierzu informierte Martin Oetken über aktuelle technische Entwicklungen.
