Horumersiel - My fair Ladies and Gentlemen – ob diese Begrüßungsfloskel tatsächlich eine Chance hat gegenüber dem gewohnten „Moin“? Wohl eher nicht – dennoch dürfen sich alle Wangerländer ab sofort gegenseitig mit „fair“ betiteln: Denn das Wangerland ist nun Nummer 47 der Fairtrade-Kommunen in Niedersachsen, Nummer 661 deutschlandweit und steht damit in einer Reihe mit Städten wie Brüssel, London, Kopenhagen und Antwerpen.

Beim Neujahrsempfang der Gemeinde hat am Donnerstagabend im Kursaal Horumersiel Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz Urkunde und Siegel überreicht. Das Wangerland ist nun „Fairtrade-Gemeinde“. „Sie haben alle Kriterien mit Bravour erfüllt“, lobte Holz.

Auf den Weg gebracht haben die Auszeichnung die Lenkungsgruppe aus Anke Müller, Bernhard Eden, Martina Schilling-Raatz und Michael Rohrbeck. Eden hatte angeregt, das Wangerland „fair“ zu machen – im Rahmen von „Wangerland – Erde und Flut“ fand sich dann die Lenkungsgruppe zusammen, die alle Wangerländer Akteure von Umweltschule Tettens über katholische Gemeinde und den Verein Wangerkinners bis zu Gastronomen und Supermärkten ins Boot holte.

„Was bringt uns das? In der Gemeinde gibt es nun zahlreiche Möglichkeiten, sich mit Produkten aus fairem Handel einzudecken und die Idee sozialer Gerechtigkeit weltweit zu unterstützen“, erläuterte Anke Müller. Und: „Mit Unterstützung aller kann die Welt etwas gerechter werden.“

Mit dem Fairtrade-Siegel sind Produkte aus – meist – Drittwelt-Ländern wie Schokolade und Kaffee ausgezeichnet, die unter festgelegten sozialen Standards hergestellt wurden. Dazu gehören stabile Einkommen für die Produzenten durch faire Verkaufspreise, Gemeinschaftsprojekte zu Bildung und Klimawandel und ein Verbot von Kinderarbeit.

„Solidarität muss wieder ein modernen Begriff werden“, forderte Manfred Holz. Und: „Faires Handeln ist ein Beitrag gegen Armut.“ Der Verein TransFair mit Sitz in Köln, der das Fairtrade-Siegel vergibt, ruft zudem dazu auf, beim Einkauf auf „bio, fair, regional und saisonal“ zu achten – „das schließt auch unsere Landwirte und Fleischer, Bäcker und Winzer ein“, betonte Holz.

Rund 400 Wangerländer und Gäste nahmen am Neujahrsempfang 2020 teil – Bürgermeister Björn Mühlena begrüßte neben den Bürgerinnen und Bürgern Vertreter aus dem Rat, von Polizei und Bundeswehr, Freiwilligen Feuerwehren, Kirchen und Schulen, von DGzRS und DLRG, von Vereinen und Dorfgemeinschaften, Banken und Wirtschaft sowie Landwirtschaft. Wie immer waren auch zahlreiche Bürgermeister aus der Nachbarschaft gekommen, nämlich aus Wilhelmshaven, Jever, Schortens, Sande, Zetel und Bockhorn, außerdem Landrat Sven Ambrosy und Umweltminister Olaf Lies.

Auf die Ehrung besonders engagierter Wangerländer verzichtete Mühlena in diesem Jahr: „Wir werden die Ehrungen auf einen separaten Termin legen. Die Zahl der Vorschläge und die Würdigung des Ehrenamts soll künftig nicht auf die wenigen zur Verfügung stehenden Minuten beim Neujahrsempfang beschränkt bleiben“, sagte er.

Dennoch hob er einige 2019 besonders Engagierte hervor: Die Mitglieder der Feuerwehren – „Ihr seid großartig“ – die Wüppelser Streetworker, die ihre Straße einfach selbst repariert haben, den Mobilitätsverein, der den ersten Wangerländer Bürgerbus in die Spur bringt und den Verein historische Seenotrettung, Horumersiel sein Wahrzeichen Hoher Stuhl zurückgegeben haben.

„Das soziale Leben in der Gemeinde läuft durch ein gut funktionierendes Vereinsleben und eine unglaubliche ehrenamtliche Unterstützung und einen tollen sozialen Zusammenhalt in unserer Gemeinde“, betonte der Bürgermeister.